Jaa, ich werde Vater!
Nein, kleiner Scherz. Aber ich dachte, das passt zur Ueberschrift und spaetestens jetzt bin ich mir Eurer Aufmerksamkeit sicher :-)
Heute geht es um eine Geschichte aus der Uni, genauer gesagt aus dem Kurs "Doing Business in China". Das ist der Kurs mit dem extrovertierten Professor, der mir sofort die Million angeboten hat um reich zu werden (und ich warte immer noch). Naja, letzte Woche hatten wir dort einen Gastredner. Ein Firmenchef hier aus dem Reich der Mitte, was genau der macht hat der glaube ich gar nicht erzaehlt, oder ich erinnere mich nur nicht mehr. Woran ich mich aber erinnere: Wie Wirtschaft in China denn nun funktioniert.
Besagter Gastredner wurde uns angekuendigt als technologischer Vorreiter im Bereich interner Firmenkommunikation. Oder anders ausgedrueckt: Als Big Brother. Dieser Mensch hat uns nahezu sabbernd vor Begeisterung gezeigt, wie er auf seinem Firmengelaende jeden einzelnen seiner Mitarbeiter jederzeit ueberwachen kann. Angefangen hat das ganze noch ziemlich harmlos. Eine China-Karte, auf der man in Echtzeit nachvollziehen konnte, wo sich welcher der verschiedenen Firmen-Lastwagen zur Zeit befindet. Das kann man meiner Meinung nach aus einem logistischen Standpunkt noch rechtfertigen, auch wenn es datenschutztechnisch bedenklich ist. Dann wurde es aber arg: An jedem Arbeitsplatz in seiner Firma ist eine eigene Kamera angebracht. Zudem ist auch das ganze Firmen-Gelaende grossraeumig abgedeckt. Die totale Ueberwachung eines jeden Mitarbeiters. "Nur auf den Toiletten filmen wir nicht", hat er dann halb stolz, halb bedauernd gesagt.
Wir haben dann live verschiedenen Angestellten beim Arbeiten zugeguckt. Und waren alle ziemlich fassungslos. So uebel dieser Umstand an sich schon ist, umso schlimmer war sein Stolz und seine Formulierungen. Uns seine totale Uneinsichtigkeit, etwas schlechtes zu machen, ich habe mitgeschrieben:
"This allows us a systematic way of control"
"But people work harder under this system"
"Everybody becomes the same under video control. It is a very fair system."
"This system is an internal need"
"I think, this is the way to do it"
"Behavioural control"
"The people like it. They find it funny to see themself on video".
Am besten fand ich dann aber den Kommentar eines chinesischen Kommilitonen. Sein Argument: Chinesen sind von klein auf nie allein, weil sie alle in grossen Familien leben wuerden. Dieses System sei darum fuer die chinesische Kultur ziemlich gut geeignet, weil sich da auch alle wie eine grosse Familie fuehlen wuerden.
Da ist mir fast so schlecht geworden wie bei einem Kommentar eines franzoesischen Kommilitonen von der Manchester Business School, der unser aller Ekel nicht richtig verstanden hat: "Hey, think about this issue in terms of ressourc-management. What a good way, to rearrange ressources."
Danke. Ich weiss jetzt, wie Business in China funktioniert. Und in Europa hoffentlich nicht bald!
Mittwoch, 17. Oktober 2007
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