










Ok, ich weiss, es hat lange gedauert, diesen Eintrag fertig zu machen. Und bei allen, die zwei mal in der Stunde diesen Blog aktualisieren, moechte ich mich dafuer entschuldigen :-). Bei all den anderen untreuen Seelen natuerlich auch. Aber in den letzten Tagen ist hier einfach zu viel passiert. Fuer die Uni muessen wir mittlerweile doch mehr tun, ueberwiegend Gruppenarbeiten, sehr spannend, sehr international. Und dann bietet natuerlich auch Peking genug Abwechslung. Interessante Abende, spannende Naechte und Wohnungseinweihungsparties am Stueck. Und, ja: Ich war auch ein wenig zu faul, am Blog zu arbeiten.
Aber nun, eigentlich ist dies ja ein Eintrag ueber Tibet. Was ist also passiert, nachdem wir aus Lhasa aufgebrochen sind? Nun, zunaechst einmal sind wir NICHT aus Lhasa aufgebrochen. So abenteuerliche es war, dorthin zu kommen (siehe Zug-Eintrag), so abenteuerlich war es auch, diese Stadt wieder zu verlassen. Ausserhalb Lhasas darf man sich in Tibet naemlich nur mit offiziellen Guide bewegen. Den hatten wir fuer Dienstag morgen - fuer den Rest der Woche - bestellt. Nun ist es relativ schwierig, Karten fuer den Potalla in Lhasa zu bekommen. Da werden pro Stunde eine bestimmte Anzahl Touristen durchgeschleust, das frueheste Ticket, das wir kriegen konnten war fuer Dienstag halb zwoelf. Wir also mit unserem Guide telefoniert, ob es ok ist, wenn wir am naechsten Tag erst um 14 UIhr aufbrechen. Hm, ja, sei zwar ein bisschen spaet fuer unser Tagesprogramm, aber da wir ja den Potalla sehen wollten, waere das schon in Ordnung, also naechster Tag um zwei. Wer war um halb drei nicht da? Richtig, unser Guide. Wir auf dem Handz angerufen. "Ne, sorry, ich bin nicht Euer Guide. Das ist das allgemeine Handy von der Agentur." Wir uns die Buero-Nummer geben lassen. "Achso, ja. Ne, wir haben uns dann doch gedacht, dass 14 Uhr ein bisschen zu spaet ist." ACH? Und wann wolltet ihr UNS darueber informieren?? Ob unser Guide uns denn noch Lhasa heute zeigen koennte, wo er doch bezahlt ist, und ob morgen alles glatt laeuft? "Achso. Ja. Euer Guide ist ausserdem krank geworden". Arrgh! Sie wuerden sich um eine Alternative fuer morgen kuemmern. Abends um acht hatten wir nach mehreren Anrufen da immer noch keinen festen Guide fuer den naechsten morgen. For more days to go in Tibet!
Gegen 23 Uhr haben wir dann erfahren, dass wir am naechsten morgen einen Guide bekommen. Ich scheue bewusst vor der Bezeichnung "Reisefuehrer" zurueck, das wuerde alle anderen Reisefuehrer der Welt beleidigen. Diese Frau (25 Jahre) war die reinste Katastrophe. Nicht nur, dass sie uns mal ueberhaupt nichts ueber Tibet erzaehlt hat (sondern fleissig Handy gespielt hat), sie hat einfach mal Reiseplaene geaendert, ohne uns darueber zu informieren, hat unsere Wuensche, doch bitte nicht in westlichen Touristen-Restaurants Essen zu gehen ignoriert, und, und, und. Da gaebe es echt viele Geschichten zu erzaehlen, ich will die Stimmung hier im Blog aber nicht endgueltig runterziehen. Der Gipfel war allerdings, als sie am Flughafen dann unter ihren bewertungsbogen eine Blanko-Unterschrift von uns wollte, und - das haben wir erst spaeter erfahren - sie sich mehrmals taeglich bei unserem Reisebuero hier in Peking gemeldet hat. Sie wolle uns als Gruppe nicht mehr. Begruendung: Die machen nicht das, was ich ihnen sage. Ok, alles klar.
Bevor es mit Tibet weitergeht, eine kurze Analyse. Woran liegt so etwas? Ich war lange der Meinung, dass Tibet gute Reisefuehrer nicht noetig hat. Es ist Pflicht, mit Guide unterwegs zu sein, also findet auch kein Qualitaetswettbewerb unter Anbietern statt. Klassischer Fall von Marktversagen, die - zwangsweise hochgehaltene - Nachfrage ist so hoch, dass kein Wettbewerb und kein Verdraengen schlechter Anbieter aus dem Markt stattfindet. Dachte ich, und war so stolz auf mein VWL-Wissen. Bis dann die anderen Gruppen von ihren fantastischen Guides erzaehlt haben. Vergesst also meine oekonomischen Erguesse - wir hatten schlicht und einfach Pech!
So, nachdem dieser Frust endlich mal von der Seele geschrieben ist, zurueck zu Tibet. Dort hatten wir dann naemlich trotz aller Querelen eine fantastische Zeit. Erst waren wir am Namtso, was uebersetzt in etwa so viel heisst wie "himmlischer See". Eine durchaus passende Bezeichnung, neben seiner Naehe zum Himmel geizt dieser See auch sonst nicht mit Superlativen: Auf einer Hoehe von 4720 Meter gelegen ist der Namtso der hoechste Salzsee der Welt. Und dabei mit 1961 Quadratkilometern auch gleichzeitig der zweitgroesste Salzsee ganz Chinas. Aber was sind schon Zahlen im Vergleich mit diesem Anblick: Eine riesige, tiefblaue Flaeche, auf der sich Wellen kraeuseln - und im Hintergrund schneebedeckte 7000er-Berge. Auf den Fotos kommt diese Atmosphaere leider gar nicht richtig rueber, ein Besuch vor Ort sei Euch allen also waermstens ans Herz gelegt! Ganz nebenbei war ich - ausserhalb eines Verkehrsmittels - so hoch wie noch nie in meinem Leben, etwa 5200 Meter (Foto mit ausgebreiteten Armen). Sehr windig, sehr kalt!
Was haben wir sonst noch gesehen? Viel unbeschreibliche Landschaft. Einige unbeschreiblich idyllische Kloester. Mehr unbeschreiblich spirituelle Tempel. Und unbeschreiblich viele Yaks, die in der Landschaft grasen oder die Strassen blockieren. Weil das alles so unbeschreiblich ist, werde ich es hier auch nicht beschreiben.
Ausser die Yaks. Auskulinarischer Perspektive. Yak schmeckt nicht. Ich habe vieles probiert. Yak-Rippen: Zaeh. Yak-Steak: Schmeckt wie Hammel. Yak-Wurst: Igitt! Uns selbst Yak-Butter-Tee war ungeniessbar.
Ein Tier auf vier Beinen mit Fell, das nicht schmeckt? Das hat mich in meiner Wuerde als Fleischesser und oberem Ende der Nahrungskette ja schon gekraenkt. Also habe ich weiter experimentiert. Und bin endlich fuendig geworden (Foto). Yak-Lunge schmeckt wirklich ausgezeichnet. Ein wenig wie Rinderzunge. Guten Appetit :-)
2 Kommentare:
Meinst Du wirklich Yak-"Lunge" 0der doch Yak-"Zunge"??
Gruß Else und Gebhard
Ich meinte in der Tat Yak-Lunge, es handelt sich dabei definitiv nicht um einen Rechtschreibfehler :-)
Ihr seht: Ich habe die chinesische Zensur umgangen und kann mittlerweile direkt auf meinen Blog (und die Kommentare) zugreifen und auch selber kommentieren. Dem Dialog ist also keine Grenzen gesetzt!
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