© M. Yamashita

Samstag, 22. Dezember 2007

Gastbeitrag Phil: Elektronikshoppen in Beijing

Er ist lange versprochen und angekündigt worden, jetzt liegt mein
Gastbeitrag für Fabians Blog vor.

Nachdem Fabian sein Akkuladegerät für die Digitalkamera
freundlicherweise Tibet überlassen hatte, und ich so oder so in ein
Elektronikkaufhaus wollte, hab ich es mir also zur Aufgabe gemacht,
ein Ersatzgerät zu erstehen. Das Prinzip des Kaufhauses, wie es in
China durchaus üblich ist, ähnelt dem in Deutschland bekannten nur in
zwei Punkten: Es ist auch ein Gebäude, und man kann dort einiges
kaufen. Ansonsten würde ich es eher mit einer Messe vergleichen: Die
Fläche ist untervermietet an eine große Zahl eigenständiger Händler,
die Stände in verschiedenen Größen, mit häufig sehr spezialisiertem
Warenangebot führen. Das Angebot ist dabei gar nicht schlecht, die
neuesten Lifestyleprodukte aus dem Hause Apple und Co sind genau so
verfügbar wie High End Notebooks und Digitalkameras. Preislich
allerdings nur aufgrund des – zumindest aus dieser Perspektive -
erfreulich schwachen Dollars attraktiv. Ein wichtiges Detail:
Natürlich gibt es immer mindestens zwei, eher zehn, Händler direkt
nebeneinander, die das exakt selbe Angebot führen.

Stürzen wir uns also ins Getümmel. Wörtlich. Ich als sprachliches
Wrack, der nach drei Wochen China vielleicht zehn Vokabeln mehr oder
weniger verständlich rüberbringen konnte, mit dem Anschauungsobjekt
bewaffnet rein in diese – Etage. Es war ein Werktag, irgendwann
früher Nachmittag. Der Laden gut gefüllt, allerdings zu 80% mit
Angestellten der Händler. Die haben zwar alle Anzüge bzw. Kostüme
getragen, ansonsten entsprach das Verhalten mal wieder dem in China
zu erwartenden:
- „Sir, Hello, Laptops? HP? Sony?“
- „Sir, Digital Camera!“
- „Sir, Apple, iPod! MP4!“
You get the idea. Ich hab mich also irgendwie durch diesen Mob
durchgeschlagen, und mein Glück zielstrebig bei dem Stand versucht,
der von einem riesigen Olympusschild geschmückt wurde. Jetzt also die
Aufgabe, ohne ein Wort Englisch, einer, ziemlich schnell vier,
Kameraverkäufern zu erklären, dass ich gerne ein Ladegerät für die
Kamera kaufen möchte. Kamera raus, Akku raus, wild gestikuliert,
Übersetzungsversuche auf Handy (Babelfisch, nein, keine Welle?). Das
hat dann ca. 15 Minuten gedauert, ohne großen Fortschritt. Auch die
Allzweckwaffe der Kommunikationswelt – Handy raus, Fabian angerufen,
der gerade zufälligerweise mit einer englisch sprechenden Chinesin
lernte, Handy an Verkäufer weitergeben, in der Hoffnung nicht die
Anweisung entnehmen sie bitte meine Organe mitgeteilt zu haben – hat
sich in diesem Moment als nicht wirksam erwiesen. Ich meine, so viele
Möglichkeiten gibt es doch nicht! Speicherkarte, Ersatzakku oder
Ladegerät. Vielleicht noch Datenkabel. Alles andere hatten wir auch
durch ...

Na ja, nach dem erfolglosen Telefonat gab mir eine der Verkäuferinnen
zu verstehen, ihr zu folgen. Also wieder durch den Mob, zu komplett
überfüllten Aufzügen. Dort ging es in den neunten Stock (von ca. 15,
sah von außen gar nicht so hoch aus) wo sich wieder unzählige Läden
befanden. Ein wenig leerer, großzügiger, dreckig, mit
Sitzgelegenheiten und vielen rumstehenden Kartons. So stelle ich mir
Hehler vor. Ich wurde auf eine Couch gesetzt, und musste erst mal
warten, „bewacht“ von einem Typen, der zwar nicht verstanden hat was
ich wollte, dafür aber meine Dosis Passivrauch für den Tag zur
Verfügung gestellt hat. Drei Kippen später kam dann endlich ein Typ,
der immerhin zwanzig Worte Englisch sprach, dem ich dann mit dem
ausgebauten Akku endlich klarmachen konnte, was ich wollte. Das immer
noch wartende Mädel, das mich hochgeführt hatte, wurde dann
weggeschickt und kam, zu meiner großen Überraschung, nicht nur mit
einem Ladegerät, sondern sogar einem passenden wieder! Erleichtert
darüber, endlich gefunden zu haben, was ich begehrte und ein wenig
perplex von der ganzen Situation, hab ich das abschließende
Preisgespräch komplett versaut und viel zu viel bezahlt. Umgerechnet
12 Euro waren eindeutig zu teuer. Zum Glück wurde ich danach bis vor
das Gebäude geleitet – alleine die Aufzüge im neunten Stock wieder zu
finden war nicht so leicht.

Dieser Exkurs war jetzt vielleicht nicht so sonderlich spannend,
illustriert meines Erachtens aber sehr gut, mit welchen Problemen man
in diesem Land zu kämpfen hat – und das war mitten in Beijing. Ich
will gar nicht wissen, wie das in weniger westlichen Städten
funktioniert. Eines ist jedoch klar: Zeit sollte man mitbringen. Ich
war eine Dreiviertelstunde beschäftigt, wo mich eine komplette ebay
Transaktion mit Paket auspacken wohl höchstens fünf Minuten kosten
würde. Zum Glück bin ich ja für meine Geduld bekannt. Und Fabian kann
endlich wieder Fotos machen.

Anmerkung: Dake fuer all Deine Muehen Phil. Da wird es Dich sicher enttaeuschen zu hoeren, dass ich das Laedegeraet mittlerwiele nicht mehr benoetige. Meine Kamera ist unter mysterioesen Umstaenden auf dem Tai Shan verschollen, ich habe mittlerweile aber einen noch besseren Ersatz gefunden :-)