© M. Yamashita

Montag, 17. Dezember 2007

Lebensumstandsverschiebungen, oder: Zu Gast in meinem neuen, bunten Reich





Noch eine Woche bis Weihnachten, und ich bin meiner Pflicht – den Blog aktualisieren – immer noch nicht nachgekommen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, in zehn Tagen werde ich Peking schon wieder verlassen haben. Darum haben Becci und ich uns heute einen Tag Auszeit genommen, einen Schreibtag sozusagen. In den verbleibenden Tagen bis Weihnachten werdet ihr hier jeden Tag eine neue der liegen gebliebenen Geschichten lesen koennen. Ein virtueller Adventskalender in klein, meine verfruehte Weihnachtspost – nehmt es als das, was Euch gerade am liebsten ist und habt Spass dabei. Der ist eigentlich schon vorprogrammiert, denn: ich befinde mich in guter, kreativer Gesellschaft. Wir sitzen hier in einem sehr netten „Denker-Cafe“ in der Naehe von unserem zu Hause, neben mir an der Wand lehnen laessig auf Postkarten gebannt Vordenker wie Woody Allen, Wilhelm Furtwaengler, Carlos Kleiber oder Andy Warhol. Sie lasen Euch schoen gruessen und inspirieren mich hoffentlich in meiner Kreativitaet.

„Unser zu Hause“ – das ist seit knapp einem Monat nicht mehr der Uni-Campus. Seit mittlerweile zwei Monaten bin ich mit Becci zusammen, vor einem Monat bin ich zu ihr nach Dongzhimen gezogen. Dongzhimen, das ist der Stadtteil im Osten Pekings, in dem es die besten Restaurants der Stadt gibt. Becci, das ist die Frau auf der Welt, die die beste Frau auf der Welt ist. (Und, manche werden lachen: sie ist in Leverkusen gross geworden. Die Elite vom Rhein findet doch immer wieder ihren Weg *g*)

Da liegt es auf der Hand, dass sich meine Lebensqualitaet hier sprunghaft vervielfaeltigt hat. Auch, was das Wohnen angeht. Becci und Ben (unser Mitbewohner) haben eine fantastische, zweigeschossige Wohnung mit Dachterrasse. Und das pro Zimmer zum gleichen Preis wie meine kleine Studentenbude auf dem Campus - Austauschstudenten werden dort ziemlich geschroepft! Naja, die Uni ist mittlerweile sowieso seit zwei Wochen vorbei, seitdem geniesse ich meine Zeit in Peking und versuche mehr von der Stadt als Sightseeing und Parties mitzukriegen (dazu mehr in den naechsten Eintraegen). Blicke ich auf die Uni-Zeit zurueck, stelle ich fest: Hoher eigener Anspruch der Uni, in der Praxis aber eine qualitativ recht bescheidene Lehre. Insgesamt aber eine gute Erfahrung neben der sehr theoretischen Massenabfertigung an der Uni Koeln. Und sehr nette Menschen mit sehr kreativen Ideen. Ich bin gespannt, was aus jedem Einzelnen in 20 Jahren geworden sein wird.

Ben ist seit vorgestern uebringens schon nicht mehr unser Mitbewohner, gestern ist dafuer Delphine, eine Franzoesin eingezogen. Generell ist die Wohnung mit ihren drei Zimmern recht volatil angelegt: Vor zwei Wochen ist unser dritter neuer Mitbewohner Niklas (aus Bergisch Gladbach!!) bei uns ins Gaestezimmer gezogen. Das Gaestezimmer, in dem vorher Birte (Freundin von Becci) und Beccis Mutter auf Besuch gelebt haben. Als Phil (mein Freund) dann bei mir im Wohnheim gelebt hat, weil unsere Couch zu der Zeit mit Daniel (einem anderen Freund von Becci) okkupiert war. Die letzten beiden Tage war dann noch Simon zu Besuch, ab Januar kommen dann Delphines Freundinnen vorbei. Natuerlich muessen alle diese Menschen bei der Polizei angemeldet werden, offiziell wohnt mittlerweile ein Familien-Clan von 15 Personen bei uns. Nicht eingerechnet sind dabei unsere coole, aber verhaltenstechnisch andersbegabte Katze (Name: Katze) und unsere beiden Schildkroeten (Namen: Rocky und Dicky). JA, es geht bunt zu bei uns.

Bunt, das impliziert natuerlich auch Parties. Wer mich noch aus Koeln kennt, wird sich vorstellen koennen, wie sehr mich mein Leben auf sechs Quadratmetern genervt haben muss: Parties ausgeschlossen, Gastgeberqualitaeten gleich Null. Naja, das haben wir mit einer Gluehwein- und einer Hamburgerparty bei uns wieder ausgeglichen, zu Weihnachten erwarten wir auch Gaeste. Was aber auf der Angenehmheits-Skala ganz weit oben ist bei eigenen Parties in Peking: Du wachst am naechsten Morgen auf, und Deine Putzfrau (man sagt, sie habe magische Kraefte) hat ein Schlachtfeld zurueck verwandelt in eine Wohnung. Das ist auch gut so, denn eine halbe Stunde spaeter kommt deine private Chinesisch-Lehrerin. Ja, ich Kapitalisten-Sau leiste mir im kommunistischen China Personal. Aber auf das Thema Dekadenz kommen wir in den naechsten Tagen noch zu sprechen. Erst einmal: Alles ist gut, alles ist fantastisch hier!

3 Kommentare:

Else und Gebhard hat gesagt…

Hi Fabian,

na endlich!!

Aber wir haben volles Verständnis, dass Du in den letzten Wochen andere Prioritäten gesetzt hast.
Wir freuen uns mächtig auf das, was Du Deiner Fan-Gemeinde in den nächsten Tagen berichten wirst!

Else und Gebhard

Thilo hat gesagt…

Schön, wieder von Dir zu lesen, bin schon sehr gespannt auf die weiteren Geschichten.
Hört sich ja alles ganz prima an.
Viele Grüße auch von meinen Damen,

Thilo

Dr.Marcuse hat gesagt…

Fantastisch wieder neue Geschichten zu hören.
Bin schon sehr neugierig auf die anderen stories!!!

Freu mich auf die Zeit mit Dir in China!!!

Markus