Wer jetzt Geschichten von meiner Revolutionskarriere hier, von stolzen Freiheitskaempfern und der „gemeinsamen Sache“ erwartet: Sorry, Todesstrafe ist mir doch zu tough. Statt Idealismus gibt es heute einen kurzen Eintrag ueber Pekings Untergrund im woertlichen Sinne: Grosse Teile der Stadt sind unterkellert, militaerische Anlagen ziehen sich spinnennetzartig quer unter der ganzen Stadt hindurch. Angeblich soll es moeglich sein, vom Tian an Men Platz zum Sommerpalast zu gelangen, ohne auch nur ein einziges Mal das Tageslicht zu erblicken. Entstanden ist dieses riesige System demnach zu der Zeit, als sich die Beziehungen zwischen China und Russland Ende der 60er Jahre deutlich verschlechtert hatten und die chinesische Regierung Angst vor einer Invasion des einstigen Bruderlandes hatte. Urspruenglich sollte die Anlage einem Viertel der Pekinesen Zuflucht bieten – und das waren auch damals schon verdammt viele Menschen.
Zwar kann man das unterirdische System heute besichtigen, die wahre Groesse kann man allerdings nur erahnen. Die Tour selber dauert nur knapp zwanzig Minuten und fuehrt ueberwiegend durch einen neonlichtbeleuchteten Gang mit vielen Windungen, an dessen Waenden viele, viele Fotos von Krieg, Panzern und China-Flaggen haengen. Von diesem Tunnel fuehren unzaehlige andere (vergitterte) Tunnel ab, die sich schon nach wenigen Metern in absoluter Dunkelheit verlieren. Der Ausflug in den Untergrund selber ist damit ziemlich unspektakulaer, andererseits laeufst man oben nicht mehr mit dem gleichen Gefuehl ueber Pekings Strassen. Wir wollten von unserem Untergrundfuehrer (ha, ha!) wissen: „Werden Teile der Anlage noch heute genutzt?“ – „I am not allowed to answer such questions!“
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen