

Ok, ganz alleine habe ich meine Mammut-Reise gestern nicht bestreiten muessen. Im Zug nach Xouzhou habe ich einen netten Chinesen (seinen Namen konnte ich mir beim besten Willen nicht merken) kennengelernt, der ausnahmsweise englisch sprach. Zwei von den fuenf Zugstunden sind dann auch erfreulich kurzweilig verlaufen, und ja (aber sagts nicht denen bei DHL), er hat mir auch geholfen, Tickets RICHTUNG Xuzhou zu bekommen.
Viel besser aber waren dann aber noch die Stunden und der Tag danach. Ich bin endlich einmal etwas naeher mit Chinesen in Kontakt bekommen und habe sie wirklich als ein zutiefst freundliches Volk kennengelernt. Zunaechst auf der Zugfahrt nach Yanzhou. Dort hatte ich eigentlich nur einen Stehplatz, alles andere war ausverkauft. Ein Kunststudent (der, soweit ich das richtig interpretiert habe), "Skulpturen machen" als Hauptfach belegt, hat mir sofort seinen Platz angeboten. Mit ihm und seiner Freundin habe ich mich dann die ganze Zugfahrt in sehr gebrochenem Englisch verstaendigt. Als ich dann meine Eintrittskarten gezeigt habe, wo ich schon alles war, haben die erstmal die Runde durch das ganze Abteil gemacht und bald sassen auch alle Schaffner interessiert um unseren Platz. Die beiden haben sich dann auch einen chinesischen Namen - ich brauche einen bei der Registrierung in Peking - fuer mich einfallen lassen. Ich heisse hier jetzt also offiziell "Lang Lang" (ja, wie der Klavierspieler), was uebersetzt so viel wie Sonnenjunge bedeutet.
Noch besser war allerdings die junge Familie, die uns gegenueber sass. Der kleine Sohn war ungefaehr drei Monate aelter als Niklas und hat sehr interessiert mit meinem Bilder-Woerterbuch gespielt. Die Tochter (vielleicht ein Jahr aelter als Mona) hat mir ganz engagiert Zaehlen auf Chinesisch beigebracht. Diese Familie musste dann zufaelligerweise auch nach Qufu und haben mich dankenswertersweise (es war namelich schon nach neun, der Zug hatte eine Stunde Verspaetung) einfach unter ihre Fittiche genommen und sich mit mir ein Taxi geteilt. Das war auch gut so, am Bahnhof stand wirklich eine ganze Armee von "Privatleuten", die mich nur zu gern nach Qufu gebracht haetten.
Das Beste: Der chinesische Familienvater kannte den Taxifahrer, die 20 Kilometer waren also auch noch kostenlos. Um mich zu revancheiren, habe ich der Tochter dann einen meiner Gluecksbringer geschenkt: Den kleinen Stoff-Loewen von Bayer 04 Leverkusen.
Wir lernen also zwei Dinge:
1. Vertraue chinesischer Gastfreundschaft (zumindest bei Menschen, die so liebevoll mit ihren Kindern umgegangen sind wie die beiden).
2. Leverkusen hat seinen Fuss jetzt aber mal ganz tief drin im asiatischen Markt.
Heute habe ich dann Qufu besichtigt, und es wird noch besser. Erstmal zu Qufu: Das ist die Geburtsstadt von Konfuzius, und hier ist er auch begraben. Das Grab ist relativ schmucklos (ein Erdhaufen mit einem Stein davor, mitten im Wald), um so beeindruckender sind dagegen die Tempelanlage und die alte Wohnanlage der Familie Konfuzius (jeweils rund 20 Hektar mit wunderschoenen Gebaeuden und Hoefen).
Im Konfuzius-Tempel spricht mich dann ploetzlich eine Chinesin an. AUF DEUTSCH. Ob ich etwa Deutscher sei. Ich bejahe und will wissen, warum sie denn deutsch spreche. Ja, das waere so, sie wuerde in Peking Germanistik studieren und im kommenden Semester dann auch fuer ein Jahr nach Deutschland gehen. "Wohin denn?" - "Nach Koeln."
Schon wieder so ein grandioser Zufall. Wir haben uns dann gemeinsam die Tempelanlage angeschaut und dann noch Kontakte ausgetauscht. Sie will mir im naechsten Monat noch ein wenig von Peking zeigen (und, hey, das ist ein gutes Gefuehl, dort jemanden zu haben, der deutsch UND chinesisch spricht), ich werde sie im naechsten Jahr ein wenig in Koeln rumfuehren.
Jetzt, zurueck im Hostel die naechste positive Ueberraschung. Heute morgen hat offensichtlich ein Maedel aus Deutschland eingecheckt, die morgen genau wie ich auf den heiligen Berg TaiShan klettern will - und dazu auch noch fliessend Chinesisch spricht. Die muss ich heute Abend unbedingt noch kennen lernen.
Nicht mehr zu toppen? Doch. In drei Tagen bin ich in Quingdao (Martin kommt vielleicht auch runter), ein ehemalig deutsches Protektorat. Dort steht die groesste Brauerei des Landes - und in der Woche, wo ich dann da bin, ist dort anscheinend das groesste chinesische Bier-Fest.
Manchmal laeufts einfach :-)
PS: Ich habe die Einstellungen hier im Blog jetzt (hoffentlich) so geaendert, dass auch Nicht-Registrierte User einen Kommentar hinterlassen koennen.