© M. Yamashita

Donnerstag, 30. August 2007

Bierfest und Strandleben





Ok, der Beginn dieses Eintrages klingt eher nach Ballermann als nach China-Urlaub. So schlimm war es aber wirklich nicht. Wir sind ja die letzten paar Tage in Qingdao gewesen, sehr nett da. Am Sonntag Abend war wie gesagt der letzte Tag von Chinas groesstem Bier-Festival. Da war er dann endlich, der Kulturschock, denn da sah es original aus wie auf dem Oktoberfest. Mit exakt den gleichen Biersorten. Neben den drei, vier einheimischen Gerstensaeften waren ansonsten naemlich nur deutsche Marken vertreten. Das absurdeste Bild (Ja, ja, ich lade bald Fotos hoch!) waren zwei Chinesinnen im blau-weissem Bajuvaren-Outfit, die vor sich ein paar kleine Faesschen Reissdorf-Koelsch (!) stehen hatten. Auch eine Form der Globalisierung.

Naja, das Import-Bier war uns dann aber doch zu doof und zu teuer, da haben wir uns lieber in das lokale Festzelt gesetzt. Und haben dann die naechsten zwei Stunden an einer Art Orgie mit ein paar Chinesen teilgenommen, die uns zu sich an den Tisch eingeladen haben. Nur waren die dann leider sehr schnell ziemlich betrunken, lustig war's aber allemal. Da habe ich (Foto folgt) dann auch meinen kulinarischen Nullpunkt zum ersten mal heftig in Richtung eklig verschoben. Stichwort: Gebratene Huehnerkralle.

Auch ansonsten war's definitiv nett in Qingdao. Endlich mal wieder deutsch mit jemandem sprechen zu koennen und ein bekanntes Gesicht zu sehen war nach den zwei Wochen doch recht angenehm. Und am Dienstag war auch optimales Wetter zum Baden. Das erste mal seit 10 (?) Jahren war ich also im Pazifik schwimmen, wir hatten definitiv eine Menge Spass.

Mittlerweile bin ich dann auch in Peking angekommen. Dazu dann bei Gelegenheit mal mehr. Nur so viel vorab: Ich bin seit heute auch amtlich und ganz offiziell ein original chinesischer Austauschstudent. Und ein Einzelzimmer im Wohnheim habe ich nach einigem Hin und Her auch noch fuer die naechsten drei Monate bekommen.

Genug Zeit also fuer ein paar Abenteuer in Peking. Ich werde berichten.

Montag, 27. August 2007

Unsterblichkeit





Der chinesischen Legende nach gab es einen Urschoepfer der Welt, den so genannten Pan Men. Aus dessen Adern sind dann Fluesse geworden, aus seinen Gliedmassen die Landflaeche, und aus seinem Kopf der Tai Shan, der heiligste Berg in ganz China.

Jeder Kaiser musste diesen Berg in seiner Amtszeit mindestens einmal besteigen. Naja, die faulen Saecke haben sich mit Eseln, und spaeter, als es zu steil wurde, mit Saenften hochbefoerdern lassen. Ich dagegen habe den Berg zu Fuss bestiegen. 1500 Hoehenmeter, etwas ueber 6000 zum Teil brutal steile Stufen. Da ich "leicht" unter Zeitdruck stand (ich musste unbedingt den letzten Bus nach Qufu zurueck kriegen) habe ich das ganze in knapp dreieinhalb Stunden geschafft (Also den Aufstieg. Bergab bin ich dann Gondel und Bus gefahren.) Das war sicherlich eine der anstrengendsten Erfahrungen meines Lebens (Ok, neben etlichen Versuchen, die Frauen zu verstehen.)

Aber: Es hat sich gelohnt. Das Bergsteigen, nicht die Frauenversteherei. Der Tempel ganz oben auf dem Gipfel, wolkenverhangen, war schon ein sehr imposantes Bild. Ausserdem wird derjenige, der den Berg zu Fuss bezwingt und das Himmelstor erreicht, der Legende nach unsterblich. Erwartet also Grosses von mir :-)

Ich bin mittlerweile in Qingdao angekommen (dazu ein anderes mal mehr) und nun mit Martin unterwegs. Sein erster Kommentar, als er mich gesehen hat: "Alter, bist Du schlank geworden."

Uebermorgen ist der erste Teil meiner Reise dann auch vorbei, es geht endgueltig nach Peking. Dann werde ich auch endlich einige Fotos einstellen. Und hoffentlich auch die Zeit finden, mich bei dem ein oder anderen wieder persoenlich zu melden und nicht nur ueber Blog. Ich freu mich auf jeden Fall immer, was von Euch zu hoeren.

Freitag, 24. August 2007

Kontakte



Ok, ganz alleine habe ich meine Mammut-Reise gestern nicht bestreiten muessen. Im Zug nach Xouzhou habe ich einen netten Chinesen (seinen Namen konnte ich mir beim besten Willen nicht merken) kennengelernt, der ausnahmsweise englisch sprach. Zwei von den fuenf Zugstunden sind dann auch erfreulich kurzweilig verlaufen, und ja (aber sagts nicht denen bei DHL), er hat mir auch geholfen, Tickets RICHTUNG Xuzhou zu bekommen.

Viel besser aber waren dann aber noch die Stunden und der Tag danach. Ich bin endlich einmal etwas naeher mit Chinesen in Kontakt bekommen und habe sie wirklich als ein zutiefst freundliches Volk kennengelernt. Zunaechst auf der Zugfahrt nach Yanzhou. Dort hatte ich eigentlich nur einen Stehplatz, alles andere war ausverkauft. Ein Kunststudent (der, soweit ich das richtig interpretiert habe), "Skulpturen machen" als Hauptfach belegt, hat mir sofort seinen Platz angeboten. Mit ihm und seiner Freundin habe ich mich dann die ganze Zugfahrt in sehr gebrochenem Englisch verstaendigt. Als ich dann meine Eintrittskarten gezeigt habe, wo ich schon alles war, haben die erstmal die Runde durch das ganze Abteil gemacht und bald sassen auch alle Schaffner interessiert um unseren Platz. Die beiden haben sich dann auch einen chinesischen Namen - ich brauche einen bei der Registrierung in Peking - fuer mich einfallen lassen. Ich heisse hier jetzt also offiziell "Lang Lang" (ja, wie der Klavierspieler), was uebersetzt so viel wie Sonnenjunge bedeutet.

Noch besser war allerdings die junge Familie, die uns gegenueber sass. Der kleine Sohn war ungefaehr drei Monate aelter als Niklas und hat sehr interessiert mit meinem Bilder-Woerterbuch gespielt. Die Tochter (vielleicht ein Jahr aelter als Mona) hat mir ganz engagiert Zaehlen auf Chinesisch beigebracht. Diese Familie musste dann zufaelligerweise auch nach Qufu und haben mich dankenswertersweise (es war namelich schon nach neun, der Zug hatte eine Stunde Verspaetung) einfach unter ihre Fittiche genommen und sich mit mir ein Taxi geteilt. Das war auch gut so, am Bahnhof stand wirklich eine ganze Armee von "Privatleuten", die mich nur zu gern nach Qufu gebracht haetten.

Das Beste: Der chinesische Familienvater kannte den Taxifahrer, die 20 Kilometer waren also auch noch kostenlos. Um mich zu revancheiren, habe ich der Tochter dann einen meiner Gluecksbringer geschenkt: Den kleinen Stoff-Loewen von Bayer 04 Leverkusen.
Wir lernen also zwei Dinge:

1. Vertraue chinesischer Gastfreundschaft (zumindest bei Menschen, die so liebevoll mit ihren Kindern umgegangen sind wie die beiden).
2. Leverkusen hat seinen Fuss jetzt aber mal ganz tief drin im asiatischen Markt.

Heute habe ich dann Qufu besichtigt, und es wird noch besser. Erstmal zu Qufu: Das ist die Geburtsstadt von Konfuzius, und hier ist er auch begraben. Das Grab ist relativ schmucklos (ein Erdhaufen mit einem Stein davor, mitten im Wald), um so beeindruckender sind dagegen die Tempelanlage und die alte Wohnanlage der Familie Konfuzius (jeweils rund 20 Hektar mit wunderschoenen Gebaeuden und Hoefen).

Im Konfuzius-Tempel spricht mich dann ploetzlich eine Chinesin an. AUF DEUTSCH. Ob ich etwa Deutscher sei. Ich bejahe und will wissen, warum sie denn deutsch spreche. Ja, das waere so, sie wuerde in Peking Germanistik studieren und im kommenden Semester dann auch fuer ein Jahr nach Deutschland gehen. "Wohin denn?" - "Nach Koeln."

Schon wieder so ein grandioser Zufall. Wir haben uns dann gemeinsam die Tempelanlage angeschaut und dann noch Kontakte ausgetauscht. Sie will mir im naechsten Monat noch ein wenig von Peking zeigen (und, hey, das ist ein gutes Gefuehl, dort jemanden zu haben, der deutsch UND chinesisch spricht), ich werde sie im naechsten Jahr ein wenig in Koeln rumfuehren.

Jetzt, zurueck im Hostel die naechste positive Ueberraschung. Heute morgen hat offensichtlich ein Maedel aus Deutschland eingecheckt, die morgen genau wie ich auf den heiligen Berg TaiShan klettern will - und dazu auch noch fliessend Chinesisch spricht. Die muss ich heute Abend unbedingt noch kennen lernen.

Nicht mehr zu toppen? Doch. In drei Tagen bin ich in Quingdao (Martin kommt vielleicht auch runter), ein ehemalig deutsches Protektorat. Dort steht die groesste Brauerei des Landes - und in der Woche, wo ich dann da bin, ist dort anscheinend das groesste chinesische Bier-Fest.

Manchmal laeufts einfach :-)

PS: Ich habe die Einstellungen hier im Blog jetzt (hoffentlich) so geaendert, dass auch Nicht-Registrierte User einen Kommentar hinterlassen koennen.

Bewerbungsschreiben

Hiermit bewerbe ich mich fuer den Posten als Abteilungsleiter "Logistik" bei DHL. Meine Qualifikationen entnehmen Sie bitte folgender Schilderung:

Heute war der mit Abstand komplizierteste Tag meiner Reise. Ich wollte von Nanjing UEBER Xouzhou nach Qufu reisen. Insgesamt etwa 600 Kilometer Strecke, gespickt mit Hindernissen und Fallstricken. Betrachten wir uns einmal, was alles noetig ist, wenn man als Sprachunkundiger diese Reise machen will.

Man nimmt in Nanjing die U-Bahn und sucht sich aus seinem Stadtplan dafuer das richtige Symbol fuer den Hauptbahnhof aus. Da schaut man dann in seinem Woerterbuch nach der richtigen Zahl fuer die Wartehalle, aus dem der Zug abfaehrt. Diesmal hatte ich ein Ticket in der Holzklasse (das ist immer reiner Zufall was die mir geben), das ich mir natuerlich schon zwei Tage vorher bei meiner Ankunft in Nanjing gekauft hatte. Dafuer hatte ich den Zettel (Ich brauche ein Ticket nach Xouzhou) vorzeigen muessen, den ich mir drei Tage vorher in Suzhou im Youth Hostel habe machen lassen. Im Zug muss man dann an jeder Haltestelle sein Ticket einem Mitereisenden zeigen, um zu erfahren, ob man denn da ist. Die Stationen sind naemlich nicht oder nur in Chinesisch beschriftet.

Langeweile? Geht noch viiel weiter. In Xouzhouz zeigt man dann im Bahnhof seinen Zettel (Ich will nach Qufu) vor, den man sich in Nanjing hat machen lassen. Und bekommt ein Ticket nach Yanzhou. Damit geht man dann verwundert in das naechste internationale Hotel. Dort erklaeren sie einem auf englisch, dass die Zuege nicht (mehr) direkt nach Qufu, sondern nur in die Nachbarstadt fahren. Mist. Also laesst man sich in dem Hotel zwei Zettel machen. "Ich suche die Busstation", "Ich moechte mit dem Bus nach Qufu". Dann geht man zu einem Taxi, zeigt dem Fahrer den Zettel "Ich will die kleine Terra-Kotta-Armee sehen" (aus dem Hostel in Nanjing).

Die Armee war uebrigens ein netter Vorgeschmack auf XiAn, rund 3000 Figuren, maximal 40 Zentimeter hoch, mit Soldaten, Zivilisten, Pferden und allem Drum und Dran in Reih und Glied.

Dann sucht man sich ein Taxi und gibt dem Fahrer den Zettel "Zum Hauptbahnhof bitte" (noch aus Shanghai). Dort nimmt man dann den Zug, fragt da wieder, wann man aussteigen muss usw.

Normalerweise haette man dann in Yanzhou dem Taxifahrer den Zettel mit der Adresse der Jugendherberge (aus Nanjing) oder dem Busfahrer die Anweisungen aus dem Hotel in Yanzhou gegeben. Hier kam aber alles - erfreulicherweise - ganz anders, mehr dazu aber in einem extra Eintrag.

Um eine rasche Antwort auf mein Bewerbungsschreiben und eine Einladung zu einem persoenlichen Gespraech wuerde ich mich freuen!

Mittwoch, 22. August 2007

Nanjing

Die Stadt ist im Westen vor allem bekannt durch das beruehmte Massaker von. Insgesammt hat mir Nanjing nicht soo gut gefallen, zumindest am ersten Tag. Es gab relativ wenig zu sehen, nach den anderen Staedten war ich an das Leben hier auch halbwegs gewohnt und hatte nicht mehr das "Alice-im-Wunderland"-Gefuehl der ersten Tage.

Nett sind an Nanjing aber die vielen kleinen Geschichten rund um die Sehenswuerdigkeiten. Zum Beispiel die des grossen Glockenturmes: Der ehemalige kaiserliche Glockengiesser hatte es partout nicht hinbekommen, eine Legierung zu erschaffen, die gut genug klang. Klares Urteil: Hinrichtung. Da haben sich seine beiden Toechter in den Schmelzofen geschmissen, und schau an: auf einmal klang die Glocke fantastisch.

Oder die Geschichte rund um die (zugegebenermassen wirklich beeindruckende) Bruecke ueber den Yangtse. Die wollten die Chinesen urspruenglich mit Hilfe der Russen bauen, bevor die denen Mitte der 60er die bruederliche Freundschaft aufgekuendigt hatten. Da haben die Chinesen die zweistoeckige Bruecke ohne jegliches technisches Wissen alleine gebaut (und sie steht immer noch, ich bin drueber gelaufen!). Da waren sie dann soo stolz drauf, dass sie in den Zuegen, die ueber die zweistoeckige Bruecke gefahren sind, kurz vorher immer die Vorhaenge zugezogen haben, damit auslaendische "Spione" bloss nichts von der Technik klauen. Industriespionage einmal anders rum.

Naja, heute war ich dann etwas ausserhalb von Nanjing unterwegs, und das war wirklich sehr beeindruckend. Habe das Mausoleum von Sun Yat Sen (der, der China nach 2000 Jahren Kaiserreich die (zugegebenermassen kurzlebige) Demokratie gebracht hat und die Grabanlage das allerersten Ming-Kaisers besucht. So wie die kann man sich durchaus bestatten lassen, riesige Anlagen, allein die recht prachtvollen Zuwege sind bis zu einem Kilometer lang. Und das ganze an einem Hang, von dem man eine herrliche Aussicht ueber die ganze Tiefebene hat. So duerft ihr mich irgendwann auch zu Grabge tragen, aber das wird nie passieren. Bald bin ich naemlich unsterblich. Aber davon mehr beim naechsten Mal :-)

Kulinarisch

Ich habe es getan. Ich war gestern bei McDonnalds hier in Nanjing. Wigentlich wollte ich das ja vermeiden, aber es ging nicht anders. Denn es gab nirgendwo ein Restaurant, eine Garkueche, oder einen Schnellimbiss, der mich verstanden haette oder bedienen wollte. "BicMac" scheint aber eine globale Waehrung zu sein, die man ueberall versteht. Auch, wenn ich erst auf das Bild zeigen musste, nachdem die Kassiererin mich verstaendnislos angeguckt hat und dann in EXAKT dem gleichen Tonfall wiederholt hat: "Aaah, BicMac".

Das ist so eine Eigenart der Chinesen. Sie rechnen nicht damit, dass sie dich verstehen koennen, das hatte ich schon ein paar mal, als sie meine paar Brocken chinesich einfach ignoriert haben, obwohl sie sie selber genau so aussprechen.

Aber zurueck zum Essen: Der Burger (1,10 Euro) hat mal original nach Pappe geschmeckt nach dem ganzen leckeren chinesischen Essen. Direkt eklig. Wie schnell man sich doch einen anderen Geschmack angewoehnt (und wahrscheinlich auch abgewoehnt).

Ansonsten ist das mit dem Essen hier halbwegs schwierig. Verhungern musst Du nicht, im Supermarkt kannst Du Dir zumindest Obst und Kekse kaufen. Warmes Essen ist aber abenteuerlich. Wenn Du kein Chinesisch sprichst, wirst Du in vielen Restaurants nicht bedient. Nicht, weil Chinesen unhoeflich sind, sondern weil sie Angst ahben, Dir etwas falsches zu bringen (habe ich so zumindest gelesen). Eher lassen sie Dich also verhungern, bevor Du nicht das Richtige bekommst. Schon verrueckt.

Wo sie sich dan auf mein buntes Bilderbuch mit Nahrungsmitteln einlassen, wirds trotzdem abenteuerlich, aber das mag ich.Folgendes Szenario: Du willst Nudeln mit vielleicht ein bisschen Fleisch und Gemeuese bekommen und zeigst also auf die entsprechenden Bilder. Du bekommst: Fleischscheibchen als Vorspeise, dann eine Nudelsuppe und danach geduenstete Bohnen mit Knoblauch und Chili (echt lecker). Eigentlich nicht, was ich wollte und viel zu viel, aber fuer vier Euro (inklusive Bier) beschwere ich mich nicht.

Also, an alle, die abnehmen wollen: Kommt einfach nach China, es funktioniert. Man isst sehr gesund und relativ wenig, ausserdem ist man viel unterwegs. Und wenn man seine Finger von diesen koestlichen Fleischspiesschen laesst (20 Cent), die einem an jeder Strassenecke hinterhergeworfen werden, ist man Ruck Zuck beim Idealgewicht.

Heute Abend habe ich uebringens Nudelsuppe mit Muscheln und Spinat bekommen. Auch sehr, sehr lecker :-)

Sonntag, 19. August 2007

Milliarden auf dem Weg zu Metallica




Uebberraschend reibungslos bin ich hier in Suzhou angekommen. Und habe sogar schon ein Zugticket fuer morgen nach Nanjing. Suzhou liegt ein wenig abseits der klassischen Touristen-Routen, kann aber immerhin zwei der vier beruehmtesten Gaerten Chinas sein eigen nennen. Und, hey, das sind wirklich mal Gaerten von Gaerten. So mit Lotusblumen, Pagoden, grossem Teich (Kleiner Insider: Und scheiss Enten und sonem Zeug).

Ne, aber wirklich schoen und nach Shanghai recht gemuetlich in dieser Stadt. Hatte es mir ja nach der Karte irgendwie kleiner vorgestellt. Suzhou, ein kleiner Fleck in China, hat aber immer noch neun Millionen Einwohner. Langsam verstehe ich, wie die auf ueber eine Milliarde kommen.

Viel laesst sich ueber Suzhou nicht schreiben, ohne in botanisch-lanschaftlich-gestalterische Erguesse auszubrechen. Vom Gesamteindruck her bietet sich aber vielleicht der Vergleich zwischen Duesseldorf und Koeln an. Hier ist es definitiv huebscher und sauberer, der Verkehr fliesst geordneter, die Menschen sind teilweise fast schon posh gekleidet und es ist schon irgendwie heimelig. Dafuer aber unter dem Strich auch nicht annaehernd so cool und lebenswert wie in Shanghai. Meiner Fahrzeug-Premieren-Liste habe ich heute uebrigens nach dem Transrapid noch die Rikscha hinzugefuegt.

Kurios 1: Die Central City Bank of China vor Ort. An sich ein ziemlich imposantes Gebaeude. Seltsam aber, was sich da nach Geschaeftssschluss abspielt. Durch den glaesernen Vorbau konnte man neamlich drinnen ca. 40 muskuloese junge Chinesen in Unterhemd und Militaerhose bewundern. Die haben mit China-Flaggen in der Hand irgend eine Art Akrobatik-Tanz in der Vorhalle geprobt.

Kurios 2: Chinesische Supermaerkte. An die getrockneten Fische inklusive Graeten und die eingeschweissten, gegarten Huehnerbeine habe ich mich noch genau so wenig herangetraut wie an die gekochten Eier. Deren Schalen sind naemlich aufgeplatzt und man erkennt entwickelte Kueken-Embryonen darunter.

Kurios 3: Der "International Music Store" hier in Suzhou. Der verkauft Musikinstrumente, vor allem Gitarren. Ein Chinese mit Dreads (!!), der ein Schlagzeug ausprobiert, ist ein wirklich seltsames Bild. Trotzdem aber noch zu toppen: Rund 20 Chinesen, die mit Akustik-Gitarren im Cafe sitzen im vom Ladeninhaber Metallica beigebracht bekommen.

Sport.



Letzter Abend in Shanghai war Bundesliga eingeplant - schoen zur Entspannung, bevor es dann am naechsten morgen um acht Uhr ab Hauptbahnhof losgehen sollte. Ich hatte in der Tat ne
Kneipe ausfindig gemacht, in der anscheinend (laut Internet) deutscher Fussball gezeigt wird. John, Architektur-Student aus England (der eigentlich Newcastle-Fan ist) war ziemlich begeistert und ist sofort mitgekommen.

Ich habe erwartet: Bremen gegen Muenchen. Ich bekam: China gegen Kuba. Frauen-Basketball. Nooooiiiin. In der Kneipe lief KEIN deutscher Fussball, sondern Lokal-Sport. Dafuer aber eine andere Ueberraschung: Es war "Chinese Valentines Day" und die eigentlich der eigentlich recht westliche Pub in dominierendem Pink geschmueckt, einschliesslich rosa Ballons. Dazu im Angebot: Erdinger Weizenbier fuer suendhafte 5 Euro.

Naja, wir sind dann auf Empfehlung mit dem Taxi weiter in den "BullsDog-Pub", wo Sport auf Grossbildleinwand laufen sollte. Tat es auch. Rugby. Wales gegen Argentinien.

Aber, hey, das war gar nicht so schlecht. John hat mich ieber die
Regeln aufgeklaert und das ist echt ein Sport, den man sich gut angucken kann.
Am Ende sogar ein knappes Ergebnis von 27:20. Und: Auf einem kleinen Fernseher lief auch noch Fussball. Tottenham gegen Derby. Zumindest John hatte Spass und ich soll "whole germany" ausrichten (ich beginne bei Euch) was fuer ein cooler Typ Juergen Klinsmann doch sei.

Letzte Etappe unseres Sport-Abenteuers: Die Taxi-Rueckfahrt. Da kann man naemlich als Passagier Golf spielen, ueber Touch-Screen-Monitor in der Nackenstuetze. Verrueckt.

Samstag, 18. August 2007

Eine Zugfahrt, die ist lustig



Ich verlasse Shanghai NICHT. Jedenfalls nicht heute.

Was ist passiert? Stehe also heute morgen erwartungsfroh vor dem Bahnhof. Dann aber erstmal eine Stunde in der sticken Bahnhofshalle am Ticketschalter warten. Es ist nicht so, dass die hier zu wenige Ticket-Schalter haben (29). Es wollen aber einfach zu viele Menschen Bahn fahren. Ich habe mich also am "English Service"-Schalter angestellt. Trotzdem hat es da dann nochmal einige Kommunikationsschwierigkeiten gegeben, bis mir klar wurde, dass alle Zuege nach Suzough heute AUSVERKAUFT sind. Die fahren stuendlich. Und das ist nur 30 Kilometer von hier entfernt. Aber alles ausverkauft. Naja, jetzt habe ich ein Ticket fuer morgen frueh um acht Uhr gekauft. Aber wenn man immer fuer eine genaue Uhrzeit und einen genauen Tag buchen muss, wird das ohne "english-service"-Schalter noch lustig werden :-)

Was lernen wir?
1.) Verlasse nie mit schwerem Gepaeck Dein Hotelzimmer, BEVOR Du nicht sicher bist, die Stadt auch zu verlassen.
2.) Schmeiss nie Deinen Englisch-Chinesischen Stadtplan vor dem Bahnhof weg, BEVOR Du ein Ticket hast.

Ohne ist es naemlich schwierig, mit den Taxifahrern zu kommunizieren. Ich kannte noch einen chinesischen Strassennamen nahe der Jugendherberge aus dem Kopf. Problem nur: Die Strassen sind hier in Ost und West unterteilt. Ich habe ihm also Nanjing Lu "East" gesagt. Das chinesische "Westen" klingt aber wohl wie "East", dann wir sind in die falsche Richtung gefahren. War aber gar nicht so schlimm, denn da war auf einmal einer der anderen beiden Tempel, die es noch in der Stadt gibt, ausgeschildert. Den habe ich mir dann erstmal angeschaut, gleich gehe ich noch ins Franzoesische Viertel. Es ist ja nicht so, als ob diese Stadt langweilig waere :-)

Morgen verlasse ich Shanghai dann aber (wahrscheinlich).

Freitag, 17. August 2007

Schwarzweiss- und Farbfernsehen





Morgen werde ich Shanghai in Richtung Suzhou verlassen. Warum so eilig? Nun, mir ist in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht doch ein paar Tage mehr fuer die Reise nach Peking einplanen sollte, als ich das urspruenglich getan hatte. Ausserdem wird es mir hier langsam definitiv zu hektisch, und chinesische Grossstadt habe ich auch noch neun Wochen in Peking. Und im Oktober werde ich wohl eh noch einmal nach Shanghai fahren, um dann Freunde hier zu besuchen.

Aber der Reihe nach: Gestern war definitiv ein anstrengender Tag. Anders als heute und am Mittwoch hatte ich da nicht das Gefuehl, persoenlich willkommen zu sein, sondern nur mein Geld. Lag aber auch an den Orten, an denen ich gewesen bin: Die Haupteinkaufsstrasse (Ok, Las Vegas muss ich unbedingt noch zum Staedte-Mix hinzufuegen. Unglaublich bunt und schrill dort), die interessante aber heruntergekommene Altstadt, der grosse Stadtpark. Also die klassischen Touristen-Ecken mit vielen begierigen Haendlern und Bettlern.

Abends dagegen war es grossartig: Gemeinsam mit einer Amerikanerin war ich im 87. Stock des Ji Mao-Turms. Hoeher kommst Du fuer weniger Geld in Shanghai nicht - wobei wenig Geld relativ ist. Habe dort fuer satte sechs Euro in der Sky-Bar Mango und Lychee-Sorbet gegessen (das war tatsaechlich das billigste!), dafuer war der Sonnenuntergang von oben grossartig. Zum Preisvergleich: Fuer das gleiche Geld kann man fuenf mal Taxi fahren oder sich vier mal die Haare schneiden lassen (entsprechend sieht das Ergebnis aber auch aus, an dieser Stelle bin ich froh, dass das mit den Fotos noch nicht klappt *g*) Oder man kriegt fuer einen Euro mehr eine Ganz-Koerper-Massage.

Massage: Da gibt es wirklich an jeder Ecke einen Laden, sehr angenehm. Mein Masseur war allerdings ein Halb-Sumo-Ringer, dementsprechend gut bin ich durchgewalkt worden. Ich habe mir das aber selber so ausgesucht, weil man bei weiblichen Masseurinnen anscheinend vorsichtig sein sollte. Nach einer Drei-Euro-Fussmassage gestern (eigentlich was ganz normales in dieser Stadt) musste ich doch relativ deutlich das Angebot ablehnen, fuer fuenf weitere Euro noch mit in den ersten Stock zu gehen...Ist aber wohl die Ausnahme.

Heute war ich dann neben Hafenrundfahrt noch im buddhistischen Jade-Tempel. Dort konnte ich durch Zufall auch an der ersten buddhistischen Messe meines Lebens mitmachen. Sehr beeindruckend - und sehr entspannend nach den doch recht hektischen Tagen.

Darum will ich morgen auch los - und doch werde ich ein Stueck "Geborgenheit" in Shanghai vermissen. Warum das? Nun, hier sind zumindest ein PAAR Strassenschilder auf englisch. Und zumindest ein paar vereinzelte Menschen koennen sich darin sogar ausdruecken. Das wird ab morgen anders werden, ich habe mir auf jeden Fall heute im International Bookstore schonmal alle Zeichen fuer die Staedte unterwegs aus allen moeglichen Karten abgemalt, damit ich an den Bahnhoefen zurecht komme. Und ich habe ja auch noch mein Lieblings-Spielzeug: Das Zeige-Woerterbuch (Martin: Unbedingt noch kaufen. Ohne geht nicht.) Da kann man dann an den Garkuechen sogar zeigen, was man in etwa essen will. Ein Bild von einem Hund ist da uebringens auch dabei ;-)
Tracie, die Amerikanerin mit der ich gestern zeitweilig unterwegs war, hat ein schoenes Bild fuer das Sprach-Problem: Wenn Du mit jemandem unterwegs bist, der die Sprache spricht, ist das, als wenn Du ploetzlich von Schwarzweiss- auf Farbfernsehen umschaltest. Da ist durchaus etwas wahres dran. Ironie an der Geschichte: Tracie selber war farbig - was ihre Gegenwart zusaetzlich angenehm gemacht hat. In ihrer Gegenwart kam man sich ploetzlich angenehm unbeobachtet vor, weil sich alle Aufmerksamkeit der Chinesen auf sie fokussiert hat.

Wer noch liest: Noch ein paar Eindruecke will ich Euch nicht vorenthalten.

Verkehr: Unglaublich. Ampeln dienen der Strassenbeleuchtung - sonst nichts. Lastwagen schaegt Auto. Auto schlaegt Mofa, schlaegt Fahrrad, schlaegt Fussgaenger. Was ich aber an dieser progressiven Verkehrsfuehrung mag: Es funktioniert. Bin ja schon ein paar mal Taxi gefahren und fuehlte mich nie unsicher. Irgendwie wie ein grosser Ameisenpulk, die rennen sich ja auch nicht ueber den Haufen.

Fussball (Deutschland): Hinkt zurueck. Hier laufen viele Spiele aus England und Spanien in der Zusammenfassung - von Bundesliga keine Spur.

Wirtschaft (Deutschland): Laeuft. In den groessten Tuermen sind Allianz oder Porsche am Start. Und DHL-Werbung auf chinesisch ist definitiv lustiger als mit Thomas Gottschalk.

So viel fuer den Moment. Heute etwas ausfuehelicher, da ich wahrscheinlich fruehestens in Nanjing wieder Internet haben werde.


PS: Ich kann hier zwar schreiben fuer meinen Blog, aber leider nicht drauf ZUGREIFEN, das ist irgendwie gesperrt :-) Daher kann ich auch leider Eure Kommentar nicht lesen.

Nachtrag: Mittlerweile kann ich Eure Kommentare DOCH lesen. Es hat sich ein guter Geist gefunden, der sie mir weitermailt. Ich WUSSTE, Buddha meinte es heute gut mit mir :-)

Mittwoch, 15. August 2007

Clashes of Culture




Ich bin Transrapid gefahren! Das wollte ich als kleiner Junge schon immer mal machen!

Ihr seht: Ich bin gut in Shanghai angekommen. Nur habe ich gerade kaum Zeit zu schreiben, gleich gehe ich mit John aus dem Youth Hostel noch etwas Essen, und ich bin wegen Jetlag hundemuede!

Ich wuerde Euch gerne auch schon Fotos zeigen, aber das geht hier nicht ganz so einfach. Ich werde das aber nachreichen. Meine ersten Eindruecke? Shanghai ist die absonderlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Von bisherigen Erfahrungen irgendwie ein Mix aus der Skyline von New York und den Slums in Kenia. Du stehst vor einem riesigen Wolkenkratzer, und zwei Meter hinter Dir wird in der Seitenstrasse Gemuese und Hund (nein, wirklich!) gebraten. Viel ueberraschender als mein eigener Kulturschock ist also tatsaechlich das Aufeinanderprallen von zwei ganz unterschiedlichen Kulturen in dieser Boom-Stadt. Da gibt es Star-Bucks und Subway - und andererseits freut sich das Maedel an der Rezeption noch zwei Stunden spaeter ueber das Ein-Euro-Stueck das ich ihr geschenkt habe. Diese Stadt ist auf der einen Seite viel moderner und vorwaertsgerichteter als alle deutschen Staedte - und andererseits kam ich von der Aussichtsplattform vor der Skyline eine Viertelstunde nicht weg, weil lauter Chinesen aus den Provinzen Fotos von mir machen wollten, da sie noch nie einen Europaeer gesehen hatten.

So viel fuer den Moment. Ich habe Hunger. Heute allerdings noch nicht auf Hund :-)

PS: Einige wird es interessieren: Ich habe hier Koestritzer-Dosen gesehen. Billiger als in Deutschland.

Montag, 13. August 2007

Auf gepackten Koffern...


Vorweg an alle Besserwisser (Tim, Katharina?): Ich weiss, dass das Rucksäcke sind und keine Koffer :-)

Bevor ich ein paar meiner vielleicht treuesten Leser aber direkt wieder verscheuche, kommen wir zum Wesentlichen: Es geht los! Nach fast einem halben Jahr Vorbereitung und gefühlten fünf Jahren Behördengängen und Schriftverkehr fliege ich also morgen nach Shanghai. Meine Stimmung: Zwischen extremer Vorfreude und stetig wachsendem Respekt vor den nächsten sechs Monaten.

Für alle, die meine Route noch nicht so genau kennen: Ich werde die ersten paar Tage erst einmal in Shanghai bleiben und dann ca. zwei Wochen an der Ostküste hoch nach Peking reisen. Dort dann neun Wochen "studieren" und anschließend durch Zentral- und Südchina sowie Laos, Kambodscha und Vietnam reisen. Um dann voller Vorfreude an den Türen des Prüfungsamtes in Köln anzuklopfen. Diplomarbeit ruft.

Heute Abend ist noch einmal großes Abschiedsgrillen bei meinen Eltern, meine Brüder mit ihren Familien kommen auch vorbei. Ein schöner Abschied in der Familie, in Köln hatten wir ja vor einer Woche schon unsere legendäre Party (einige, nicht alle werden sich sicher erinnern...)

Viel will jetzt erstmal gar nicht mal sagen, China ist schließlich spannender als Deutschland. Nur ein großes Dankeschön an alle, die mir im letzten halben Jahr mit dem Projekt geholfen haben, vor allem natürlich meine Eltern. Ich hoffe, dass die Distanz zwischen uns allen auch mit Hilfe dieses Blogs nicht allzu groß wird und würde mich freuen, wenn viele von Euch mitlesen. Ich werde Euch vermissen.

Was ich Euch zum Abschied wünsche? Schwierig. Liegt aber auch an der höchst heterogenen Leserschaft. Eltern und Studienfreunde sind halt doch zwei Pole einer leicht unterschiedlichen Zielgruppe. Darum werde ich wohl mal wieder meine Lebensmaxime bemühen müssen:

Seid glücklich :-)