© M. Yamashita

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Kohle mit Karaoke?


Ich moechte reich werden. Sehr reich. Mit......Singen!

Ok, bevor die leidgeplagte Familie (Weihnachten), geduldige Freunde (Ding, RoseClub, Karneval) und meine alte Wohnung (Dusche) sich jetzt um meine finanzielle Zukunft sorgen und anfangen Geld zu spenden - was natuerlich trotzdem jederzeit willkommen ist - erst noch folgender Hinweis: Ich moechte nicht Geld verdienen, indem ich selber singe. Ich lasse singen.


Ich muss etwas weiter ausholen. Der Anstoss fuer meine Geschaeftsidee liegt etwa vier Wochen zurueck, es war glaube ich meine zweite Woche hier in Beijing. Damals haben wir uns bei mir im Zimmer zu einer "Picture-Share-Party" getroffen. Einfach mal alle Bilder austauschen, die wir bis dahin hier in China gemacht haben. Harmlos.

Naja, wie das mit den harmlosen Parties immer so ist: sie arten aus. Chris, Peter und ich haben angefangen, den Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim zu pluendern. Genauer gesagt: Das Bier aus dem Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim (ja, es gibt hier noch das gute alte Dosenbier, sogar noch mit den alten Abreiss-Verschluessen!).

Nebenbemerkung: Chinesische Wohnheime sind anders als deutsche und - wie mir meine Freunde hier versichert haben - europaeische Wohnheime. Hier geht es seeehr ruhig und seeehr gesittet vor sich. Offiziell. Jetzt stellt Euch also die beiden armen chinesischen
Maedels im Eingangsbereich vor, wo der Getraenkeautomat steht. Beides vermutlich Erstsemesterinnen (die muessen hier die miesen Jobs machen, dazu wann anders mehr), die Nachtportier gespielt haben. Und dann sehen sie in regelmaessigen Abstaenden Chris, Peter oder mich, wie wir - laut deren Verstaendnis - immer wieder Unmengen an Bier aus diesem Automaten ziehen. Und dann seht ihr die Angst in ihren Augen. Diesen Gedanken: Ok. Das ist die Situation, fuer die ich zwei Jahre lang hart trainiert habe...

Irgendwann war es zwei Uhr morgens, und wir sind auf die brilliante Idee gekommen, in der Stadt etwas Essen zu gehen. Natuerlich nicht, ohne im Aufzug stecken zu bleiben. Peter guckt sehr unschuldig auf dem Foto, wer nun wirklich gehuepft ist, daran erinnern wir uns nicht mehr. Vielleicht war ich es auch selber, in Erinnerung an meinen guten alten Aufzug in Koeln. Diesmal hat sich das Training unserer Empfangs-Damen bezahlt gemacht, nach weniger als fuenf Minuten funktionierte der Aufzug wieder. Wir uns also auf unsere Fahrraeder geschwungen, lecker Bauze und Jiaoze gegessen, und ploetzlich standen wir vor einem KTV.

KTV ist eine Art chinesische Karaoke-Kette. Und wir sind ins KTV gegangen. Und sind lange geblieben. Und haben uns die Seele aus dem Leib gesungen. Looking for freedom, Hey Jude, Barbie Girl, die ganze Palette! Um sechs Uhr morgens waren wir wieder zu Hause. Dieser Abend ist als das "Karaoke-Desaster" in unseren Sprachgebrauch uebergegangen.

Was ich sagen will: Karaoke macht richtig Spass. Und das haette ich nie fuer moeglich gehalten. Und nahezu alle asiatischen Laender haben riesigen Spass mit Karaoke. In Europa und Amerika so gut wie niemand. Also werde ich es wie die Chinesen machen: "Adaptiere" eine Idee aus dem Ausland und werde zu Hause reich damit.

Zwei Fragen: Funktioniert Karaoke im Westen? Ich sage ja. Warum funktioniert Karaoke bislang noch nicht? Falsches Marketing, falsche Technik.

Zu Frage eins: Ich glaube nicht, dass es eine kulturelle/mentale Huerde gibt, warum Karaoke bei uns nicht funktionieren sollte. Karneval und Fussballstadion sind nur zwei Belege dafuer, dass (betrunkene) Menschen Spass am Singen haben. Ich habe das in den letzten zwei Wochen mal hier unter uns "westlichen" Austauschstudenten beobachtet. Sobald Alkohol im Spiel ist, tendieren Menschen dazu zu singen. Besser gesagt: Mitzusingen.

Warum klappt Karaoke dann -bislang - nicht bei uns? Nun, aus dem gleichen Grund, warum auch ich nicht gedacht haette, dass es mir Spass macht: Es hat einen schlechten Ruf. Karaoke, das ist dieses komische Zeug, was Japaner und Chinesen immer machen, wenn sie sich betrinken. Karaoke, da macht sich einer auf einer Buehne vor 30, 50, 80 wildfremden Leuten in einem Restaurant lustig. Karaoke, das kann ich eh nicht. Karaoke - das ist komisch.

So, an dieser Stelle muss man wissen, das Karaoke hier ganz anders ist. Man kriegt eben nicht vor 50 fremden Menschen ein Mikrofon in die Hand gedrueckt, sondern verzieht sich mit seinen Freunden in kleine, sehr gemuetliche Raeume, von der Aussenwelt komplett abgeschlossen. Man macht sich also nur vor sich selber laecherlich - und das ist ein Heidenspass. Und diese Raeume sind technisch super ausgestattet. Lautsprecher ueber alle Waende verteilt, die das ganze auch richtig laut werden lassen koennen. Auf Wunsch Diskobeleuchtung. Und ueber eine Art Fersehzeitschrift kann man mit NummernCode ganz einfach aus ueber 500 englischen - und unzaehligen, grauenhaften - asiatischen Titeln waehlen. Dazu kann man dann Alkohol und/oder was Kleines zu Essen bestellen.

So kann Karaoke bei uns funktionieren. Was genau ist zu tun? Wie gesagt, dieses System ziemlich eins zu eins adaptieren. Und dann brauchst Du ein exzellentes virales Marketing. Nenn es nicht mehr Karaoke, sondern (xxx? Fuer Vorschlaege bin ich dankbar) und gib dem ganzen einen einschlaegigen Slogan. Es muss sich schnell rumsprechen, was fuer ein Spass das ist. Am Anfang sollte Dein Zielpublikum betrunkene Laufkundschaft in belebten Kneipen-Vierteln sein. Ueberzeug die, was fuer ein Spass das ist. Und nach ihrem naechsten Kneipenbesuch kommen sie vielleicht schon selber auf die Idee. Und sie erzaehlen es weiter. Und irgendwann, dann planen sie aktiv, so eine Sing-Bar (hmm, gar nicht schlecht!) zu besuchen. Was machen wir heute Abend? Kino, Disko, Essen, Spieleabend, Sing-Bar? Es muss zur echten Alternative in der Freiszeitgestaltung werden.

Dafuer musst Du sehr schnell sehr gross werden. Darum der Ketten-Gedanke. Ich meine, Starbucks hat es auch in 20 Jahren geschafft. Und es ist "nur" Kaffee. Mit nur ein/zwei Laeden irgendwo wirst Du die Marke Karaoke und ihren Ruf nicht aendern koennen. Wird man damit reich? Man kann. Die Fixkosten fuer Personal sind sehr ueberschaubar. Anfangsinvestitionen fuer Technik sind hoch (eingekauft wird aber im billigen China), ebenso die Miete. Mit Getraenken laesst sich nach wie vor aber ein sehr komfortabler Gewinn erzielen, Eintrittspreise werden mit der Zeit angehoben.

Klar, im Moment ist das alles noch Spinnerei und beduerfte noch viel Recherche. Ob ich es dann wirklich irgendwann in 10 Jahren mache? Keine Ahnung. Erstmal bin ich auf Eure Meinungen gespannt. Traegt die Idee? Was habe ich bis hierhin uebersehen? Nur: Sollte ich im Februar zurueckkommen und am Flughafen eine Sing-Bar finden, verklage ich Euch alle! :-)


PS: Was mir natuerlich besonders gefaellt ist, wie ich reich werde. Indem andere Menschen Spass haben. Sich betrinken und singen. Geht's besser?


Familienglueck

Jaa, ich werde Vater!

Nein, kleiner Scherz. Aber ich dachte, das passt zur Ueberschrift und spaetestens jetzt bin ich mir Eurer Aufmerksamkeit sicher :-)

Heute geht es um eine Geschichte aus der Uni, genauer gesagt aus dem Kurs "Doing Business in China". Das ist der Kurs mit dem extrovertierten Professor, der mir sofort die Million angeboten hat um reich zu werden (und ich warte immer noch). Naja, letzte Woche hatten wir dort einen Gastredner. Ein Firmenchef hier aus dem Reich der Mitte, was genau der macht hat der glaube ich gar nicht erzaehlt, oder ich erinnere mich nur nicht mehr. Woran ich mich aber erinnere: Wie Wirtschaft in China denn nun funktioniert.

Besagter Gastredner wurde uns angekuendigt als technologischer Vorreiter im Bereich interner Firmenkommunikation. Oder anders ausgedrueckt: Als Big Brother. Dieser Mensch hat uns nahezu sabbernd vor Begeisterung gezeigt, wie er auf seinem Firmengelaende jeden einzelnen seiner Mitarbeiter jederzeit ueberwachen kann. Angefangen hat das ganze noch ziemlich harmlos. Eine China-Karte, auf der man in Echtzeit nachvollziehen konnte, wo sich welcher der verschiedenen Firmen-Lastwagen zur Zeit befindet. Das kann man meiner Meinung nach aus einem logistischen Standpunkt noch rechtfertigen, auch wenn es datenschutztechnisch bedenklich ist. Dann wurde es aber arg: An jedem Arbeitsplatz in seiner Firma ist eine eigene Kamera angebracht. Zudem ist auch das ganze Firmen-Gelaende grossraeumig abgedeckt. Die totale Ueberwachung eines jeden Mitarbeiters. "Nur auf den Toiletten filmen wir nicht", hat er dann halb stolz, halb bedauernd gesagt.

Wir haben dann live verschiedenen Angestellten beim Arbeiten zugeguckt. Und waren alle ziemlich fassungslos. So uebel dieser Umstand an sich schon ist, umso schlimmer war sein Stolz und seine Formulierungen. Uns seine totale Uneinsichtigkeit, etwas schlechtes zu machen, ich habe mitgeschrieben:

"This allows us a systematic way of control"
"But people work harder under this system"
"Everybody becomes the same under video control. It is a very fair system."
"This system is an internal need"
"I think, this is the way to do it"
"Behavioural control"
"The people like it. They find it funny to see themself on video".

Am besten fand ich dann aber den Kommentar eines chinesischen Kommilitonen. Sein Argument: Chinesen sind von klein auf nie allein, weil sie alle in grossen Familien leben wuerden. Dieses System sei darum fuer die chinesische Kultur ziemlich gut geeignet, weil sich da auch alle wie eine grosse Familie fuehlen wuerden.

Da ist mir fast so schlecht geworden wie bei einem Kommentar eines franzoesischen Kommilitonen von der Manchester Business School, der unser aller Ekel nicht richtig verstanden hat: "Hey, think about this issue in terms of ressourc-management. What a good way, to rearrange ressources."

Danke. Ich weiss jetzt, wie Business in China funktioniert. Und in Europa hoffentlich nicht bald!

Dienstag, 9. Oktober 2007

Xian



Xian ist Terrakotta-Armee. Auch, wenn die mehreren tausend Soldaten eigentlich etliche Kilometer ausserhalb stehen, definiert sich diese Stadt doch trotzdem komplett ueber dieses archaeologische Wunder. Dabei hat Xian einiges mehr zu bieten und ist efinitiv mal eine huebsche, aufregende chinesische Stadt, die ich vielleicht sogar noch einmal besuchen werde, weil es uns (unsere kleine Reisegruppe hat sich zu dieswem Zeitpunkt auf mich und Peter reduziert) dort ausgesprochen gut gefallen hat.
Die Geschichten ueber die Terrakotta-Armee kennen wohl mittlerweile die meisten - achtes Weltwunder, jede einzelne Figur individuell, noch ungeahnte Schaetze in einem unerforschten Areal von 48 Quadratkilometern Groesse - so dass ich mir genauere Beschreibungen spare. Das klingt zwar irgendwie immer arrogant aus der Ferne, aber man sollte es selber gesehen haben. Ausserdem ist dieser Blog ja unter anderem auch zur Unterhaltung und fuer Aussergewoehnliches gedacht. Und da ist in Xian ausnahmsweise mal nichts passiert. Naja, ausser, dass ich nach nur drei Stunden Schlaf (von fuenf bis acht, ich sage ja: super Stadt) am naechsten morgen beim Fotomachen fast in die Grube mit den Soldaten gefallen waere. Wie gesagt, nur fast, und eigentlich uebertreibe ich wie ueblich auch nur :-)
Trotzdem haben wir noch lange diskutiert, was sonst wohl mit mir passiert waere? Chinesische Reaktionen sind manchmal so unberechenbar...

Tibet.











Ok, ich weiss, es hat lange gedauert, diesen Eintrag fertig zu machen. Und bei allen, die zwei mal in der Stunde diesen Blog aktualisieren, moechte ich mich dafuer entschuldigen :-). Bei all den anderen untreuen Seelen natuerlich auch. Aber in den letzten Tagen ist hier einfach zu viel passiert. Fuer die Uni muessen wir mittlerweile doch mehr tun, ueberwiegend Gruppenarbeiten, sehr spannend, sehr international. Und dann bietet natuerlich auch Peking genug Abwechslung. Interessante Abende, spannende Naechte und Wohnungseinweihungsparties am Stueck. Und, ja: Ich war auch ein wenig zu faul, am Blog zu arbeiten.

Aber nun, eigentlich ist dies ja ein Eintrag ueber Tibet. Was ist also passiert, nachdem wir aus Lhasa aufgebrochen sind? Nun, zunaechst einmal sind wir NICHT aus Lhasa aufgebrochen. So abenteuerliche es war, dorthin zu kommen (siehe Zug-Eintrag), so abenteuerlich war es auch, diese Stadt wieder zu verlassen. Ausserhalb Lhasas darf man sich in Tibet naemlich nur mit offiziellen Guide bewegen. Den hatten wir fuer Dienstag morgen - fuer den Rest der Woche - bestellt. Nun ist es relativ schwierig, Karten fuer den Potalla in Lhasa zu bekommen. Da werden pro Stunde eine bestimmte Anzahl Touristen durchgeschleust, das frueheste Ticket, das wir kriegen konnten war fuer Dienstag halb zwoelf. Wir also mit unserem Guide telefoniert, ob es ok ist, wenn wir am naechsten Tag erst um 14 UIhr aufbrechen. Hm, ja, sei zwar ein bisschen spaet fuer unser Tagesprogramm, aber da wir ja den Potalla sehen wollten, waere das schon in Ordnung, also naechster Tag um zwei. Wer war um halb drei nicht da? Richtig, unser Guide. Wir auf dem Handz angerufen. "Ne, sorry, ich bin nicht Euer Guide. Das ist das allgemeine Handy von der Agentur." Wir uns die Buero-Nummer geben lassen. "Achso, ja. Ne, wir haben uns dann doch gedacht, dass 14 Uhr ein bisschen zu spaet ist." ACH? Und wann wolltet ihr UNS darueber informieren?? Ob unser Guide uns denn noch Lhasa heute zeigen koennte, wo er doch bezahlt ist, und ob morgen alles glatt laeuft? "Achso. Ja. Euer Guide ist ausserdem krank geworden". Arrgh! Sie wuerden sich um eine Alternative fuer morgen kuemmern. Abends um acht hatten wir nach mehreren Anrufen da immer noch keinen festen Guide fuer den naechsten morgen. For more days to go in Tibet!

Gegen 23 Uhr haben wir dann erfahren, dass wir am naechsten morgen einen Guide bekommen. Ich scheue bewusst vor der Bezeichnung "Reisefuehrer" zurueck, das wuerde alle anderen Reisefuehrer der Welt beleidigen. Diese Frau (25 Jahre) war die reinste Katastrophe. Nicht nur, dass sie uns mal ueberhaupt nichts ueber Tibet erzaehlt hat (sondern fleissig Handy gespielt hat), sie hat einfach mal Reiseplaene geaendert, ohne uns darueber zu informieren, hat unsere Wuensche, doch bitte nicht in westlichen Touristen-Restaurants Essen zu gehen ignoriert, und, und, und. Da gaebe es echt viele Geschichten zu erzaehlen, ich will die Stimmung hier im Blog aber nicht endgueltig runterziehen. Der Gipfel war allerdings, als sie am Flughafen dann unter ihren bewertungsbogen eine Blanko-Unterschrift von uns wollte, und - das haben wir erst spaeter erfahren - sie sich mehrmals taeglich bei unserem Reisebuero hier in Peking gemeldet hat. Sie wolle uns als Gruppe nicht mehr. Begruendung: Die machen nicht das, was ich ihnen sage. Ok, alles klar.

Bevor es mit Tibet weitergeht, eine kurze Analyse. Woran liegt so etwas? Ich war lange der Meinung, dass Tibet gute Reisefuehrer nicht noetig hat. Es ist Pflicht, mit Guide unterwegs zu sein, also findet auch kein Qualitaetswettbewerb unter Anbietern statt. Klassischer Fall von Marktversagen, die - zwangsweise hochgehaltene - Nachfrage ist so hoch, dass kein Wettbewerb und kein Verdraengen schlechter Anbieter aus dem Markt stattfindet. Dachte ich, und war so stolz auf mein VWL-Wissen. Bis dann die anderen Gruppen von ihren fantastischen Guides erzaehlt haben. Vergesst also meine oekonomischen Erguesse - wir hatten schlicht und einfach Pech!

So, nachdem dieser Frust endlich mal von der Seele geschrieben ist, zurueck zu Tibet. Dort hatten wir dann naemlich trotz aller Querelen eine fantastische Zeit. Erst waren wir am Namtso, was uebersetzt in etwa so viel heisst wie "himmlischer See". Eine durchaus passende Bezeichnung, neben seiner Naehe zum Himmel geizt dieser See auch sonst nicht mit Superlativen: Auf einer Hoehe von 4720 Meter gelegen ist der Namtso der hoechste Salzsee der Welt. Und dabei mit 1961 Quadratkilometern auch gleichzeitig der zweitgroesste Salzsee ganz Chinas. Aber was sind schon Zahlen im Vergleich mit diesem Anblick: Eine riesige, tiefblaue Flaeche, auf der sich Wellen kraeuseln - und im Hintergrund schneebedeckte 7000er-Berge. Auf den Fotos kommt diese Atmosphaere leider gar nicht richtig rueber, ein Besuch vor Ort sei Euch allen also waermstens ans Herz gelegt! Ganz nebenbei war ich - ausserhalb eines Verkehrsmittels - so hoch wie noch nie in meinem Leben, etwa 5200 Meter (Foto mit ausgebreiteten Armen). Sehr windig, sehr kalt!

Was haben wir sonst noch gesehen? Viel unbeschreibliche Landschaft. Einige unbeschreiblich idyllische Kloester. Mehr unbeschreiblich spirituelle Tempel. Und unbeschreiblich viele Yaks, die in der Landschaft grasen oder die Strassen blockieren. Weil das alles so unbeschreiblich ist, werde ich es hier auch nicht beschreiben.

Ausser die Yaks. Auskulinarischer Perspektive. Yak schmeckt nicht. Ich habe vieles probiert. Yak-Rippen: Zaeh. Yak-Steak: Schmeckt wie Hammel. Yak-Wurst: Igitt! Uns selbst Yak-Butter-Tee war ungeniessbar.
Ein Tier auf vier Beinen mit Fell, das nicht schmeckt? Das hat mich in meiner Wuerde als Fleischesser und oberem Ende der Nahrungskette ja schon gekraenkt. Also habe ich weiter experimentiert. Und bin endlich fuendig geworden (Foto). Yak-Lunge schmeckt wirklich ausgezeichnet. Ein wenig wie Rinderzunge. Guten Appetit :-)

Lhasa - Dach vom Dach der Welt







Ueber Tibet zu schreiben faellt mir schwer, darum hat dieser Eintrag unter anderem auch so lange auf sich warten lassen. Dieses Land bietet so viele schoene und verschiedenste Eindruecke, dass man sie im Nachhinein wohl gar nicht so zusammenfassen kann, dass man dem Land trotzdem noch gerecht wird. Hier also der Versuch, mit Lhasa geht es los.

Wenn man in der Hauptstadt ankommt, hat man trots allmaehlicher Akklimatisierung im Zug doch erst einmal leichte Probleme beim Atmen, das Herz schlaegt schneller und man hechelt am Anfang ein wenig nach Luft. Nach der ersten Nacht gewoent man sich aber daran. Allerdings ging es uns allen so, dass wir in der Nacht das absurdeste Zeugs getraeumt haben. Auf Anfrage erzaehle ich Euch gerne mehr, unter anderm habe ich als Arzt wohl Menschenleben gerettet und dafuer die Stadt Miami geschenkt bekommen. Und das war noch einer der harmloseren Traeume...

Lhasa selbst liegt in 3600 Meter Hoehe und ist die Hauptstadt der "Autonomen Region" Tibet. Verabschiedet Euch bei Lhasa aber von den Eindruecken aus "7 Jahre in Tibet". Wie einer meiner Lieblingsmenschen ueberrascht aber treffend festgestellt hat: "Huch. Da fahren ja Autos rum". So ist Lhasa: In vielen Teilen modern und chinesisch. Es gibt Geschaefte grosser Kleidungsmarken (unter anderen sogar Adidas), nur Starbucks hat seine Fuehler ueberraschenderweise noch nicht bis hierhin ausgestreckt.

Und dennoch, den Charme Tibets kann man auch in Lhasa erleben, denn der Charme dieses Landes geht von seinen Menschen aus. Die Tibetaner sind - trotz der Lage, in der sie sich befinden - ein ungemein froehliches und liebenswertes Volk. Einen Tibetaner mit schlechter Laune gibt es glaube ich nicht. Dazu diese schrill bunten Kleider und Gewaender und ein andauerndes Angelaechele. Grossartige Menschen.

Und man kriegt in Tibet viel von der tiefen Spiritualitaet der Tibeter mit. Rund um den Johkang-Tempel (der heiligste Tempel ganz Chinas), etwa stehen, gehen und beten hunderte Tibetaner, oft stundenlang. Dabei schleudern sie immer ihre Gebetsmuehlen vor ihrem Koerper herum. Andere vollziehen ein Ritual, dass sich nur relativ schwer beschreiben laesst, aber auf dem Video ganz gut zu erkennen ist. Sie falten ihre Haende vor dem ganzen Koerper und schmeissen sie dann vor dem Tempel flach auf den Boden. Entweder an Ort und Stelle, oder aber sie bewegen sich dabei fort und umrunden so den Tempel. Das dauert dann den ganzen Tag. Wie gesagt: Eine sehr beeindruckende, tiefe Spiritualitaet.

Am beeindruckendsten in Lhasa ist aber wohl der gewaltige Potala, den man auf dem ersten Bild sieht. Der Potala ist der Winterpalast des Dalai Lama und so etwas wie der Regierungssitz Tibets. Besser gesagt: War. Bis die Chinesen kamen. Im Detail konnte ich die Geschichte Tibets noch nicht nachvollziehen, Internetseiten mit diesem Thema lassen sich von hier nicht aufrufen.
Dennoch hier der Versuch eines kleine historischen Abrisses des Konflikts, aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Informationen darum ohne Gewaehr, in Deutschland werde ich das noch einmal ueberpruefen.

Im Jahr 1951 sind chinesische Truppen nach Tibet gekommen. Die Chinesen nennen das die friedliche Befreiung Tibets von den Mongolen. De facto sind die Chinesen gekommen, haben ein paar Mongolen aus Tibet verscheucht und sind mit 50.000 Soldaten geblieben. Bis heute. 1959 gab es dann einen Aufstand der Tibeter der niedergeschlagen worden ist, woraufhin der Dalai Lama (ihr wisst schon, dieser freundliche, ewig kichernde alte Mann in Rot-Gelb) nach Indien geflohen ist. Das riesige Tibet ist dann in zwei Teile gespalten worden - der eine Teil wurde zur Autonomen Region Tibet, der andere Teil ist in verschiedene chinesische Territorien aufgegangen. Tibet selber will unabhaengig sein, die Chinesen wuerden es ganz gerne behalten, und - naja, waren in der Vergangenheit nicht besonders nett dort. Waehrend der Kulturrevolution sind ueber 6500 Tempel zerstoert worden, uebrig geblieben sind: 14.

Als wir im Potala waren, konnten wir auch die Gemaecher des Dalai Lamas sehen. Er selber ist seit fast 50 Jahren nicht mehr dort gewesen. Sehr komisches Gefuehl. Dazu gibt es noch eine interessante Geschichte, die ich von einem Amerikaner gehoert habe, der sie von seinem Guide erzaehlt bekommen hat (Der im Unterschied zu unserer Fuehrerin sehr gespraechig war, aber dazu im anderen Eintrag mehr.) Es gibt in Tibet den Dalai Lama, der ist spiritueller und politischer Fuehrer, und es gibt den Panchen Lama. Der ist so eine Art Nummer 2 und unter anderem dafuer zustaendig, die Reinkarnation des Dalai Lamas zu bestimmen. Der alte Panchen Lama ist 1989 ueberrasachend im Alter von 55 Jahren gestorben. Morgens gings ihm gut, nachmittags war er tot.

Daraufhin hat der Dalai Lama von Indien aus einen neuen Panchen Lama bestimmt. Der muss dann eine ziemlich lange Reise gemacht haben, auf jeden Fall wurde er nie mehr gesehen. Gleichzeitig haben die Chinesen selber einen Panchen Lama ausgerufen. Den hat man dann bis zum letzten Jahr ziemlich haeufig gesehen. Bis er sich auf seine tibetanischen Wurzeln besonnen und gesagt hat: "Hey, wisst ihr was? Nicht ich bin der echte Panchen Lama, sondern der andere." Danach hat er auch den Verschwinder gemacht.

Was ich sagen will: Tibet ist ein hoechst faszinierender, hoechst kontroverser aber irre schoener Landstrich. Mein Rat, den mir auch mein Reisefuehrer von vor zehn Jahren schon gegeben hat: Solltet ihr Tibet besuchen wollen: Macht es bald. Peu a peu scheint dieses Land trotz allem von seiner Identitaet einzubuessen. Im Moment ist die Haelfte der Einwohner Tibeter.


Eine Zugfahrt, .... Teil 2






Ok, stellt Euch folgende Situation vor: Ihr habt eine Tibet-Reise gebucht. Euer Zeitplan sieht vor, dass ihr am Donnerstag Abend ab Peking mit dem Zug losfahrt. 48 Studen spaeter kommt ihr dann in Tibet an, verbringt zwei Tage in Lhasa und reist dann anschliessend durchs Land, um dann Samstag ueber Xian wieder nach Peking zurueckzufliegen. Der ganze Trip kostet Euch rund 800 Euro, viel fuer einen Studenten, erschwinglich aber wenn man bedenkt, was so eine Reise von Deutschland aus kostet.

Stellt Euch ferner vor, ihr macht diese Reise waherend der Golden Week in China. Das ist die Woche (nach dem Nationalfeiertag), an dem alle (Buero-)Chinesen fuer sieben Tage Urlaub machen duerfen. Ihr wisst also, dass es ziemlich voll sein wird und nach zwei Wochen Planung ist es Euch also gelungen, tatsaechlich An- und Abreise sowie einen Bus vor Ort zu organisieren. Und ihr wisst, dass alle, aber auch wirklich alle Plaetze fuer Alternativen mittlerweile ausgebucht sind. Wie doof waere es da wohl, den Zug von Peking nach Lhasa zu verpassen? Richtig, sehr doof.
Das ist uns passiert.


Wie verpasst man den absolut wichtigsten Zug seines Lebens? Folgendes ist passiert: Wir hatten massig Zeit. Der Zug faehrt jeden Abend um 21:30 los, um 19 Uhr haben wir uns alle in Schindlers Tankstelle getroffen, einem deutschen Restaurant hier in Peking. Vor Tibet wollten wir doch noch einmal germanisch-lecker Haehnchengeschnetzeltes und Weizenbier konsumieren. Als wir gegen viertel nach acht das Restaurant verlassen haben, war immer noch massig Zeit. Als wir dann um 21 Uhr am Hauptbahnhof in Peking angekommen sind, war immer noch massig Zeit. Eigentlich. Denn dann haben wir mal auf unsere Tickets geschaut. Und da standen nicht die chinesischen Schriftzeichen fuer Beijing, sondern die Schriftzeichen fuer BeijingXI. Was soviel bedeutet, wie dass der Zug nicht vom HAUPTbahnhof, sondern vom WESTbahnhof in Peking abfaehrt. Glaubt mir, ich werde nie mehr in meinem Leben Monopoly spielen. Jetzt hatten wir NICHT mehr massig Zeit.

Wir also wie die Irren nach draussen gewetzt und das naechstbeste Taxi angehalten. Der Fahrer wollte dann auch mal locker unverschaemte 100 Yuan fuer den Trip zum Westbahnhof haben, meinte aber gleichzeitig, dass wir es eh nicht mehr schaffen wuerden. Wir haben es trotzdem versucht. Und fast haetten wir es sogar geschafft.

Ich habe aus dem Taxi noch meine spanische Freundin Anna hier von der Uni angerufen, die mit dem gleichen Zug unterwegs war. Sie hat dann mit den Menswchen am Bahnhof geredet, aber dieser spezielle Zug laesst sich nicht mal eben um 10 Minuten verschieben. Dann hat Anna angeboten, einen Herzinfarkt vorzutaeuschen - auch das hat nicht geholfen. Gerade, als wir vor uns den erleuchteten - und zugegebenermassen sehr imposanten - Westbahnhof sahen, rief Anna an, dass sich der Zug in Bewegung gesetzt habe. Wir, schon reichlich geknickt, beim Schalter vorgesprochen: Naechste Moeglichkeit fuer einen Zug in drei Tagen, Hard-Seater. Was waren wir scheisse drauf.



Der Rest der Geschichte ist schnell erzaehlt, ihr habt die Fotos ja zum groessten Teil schon gesehen: Wir haben es doch nach Tibet geschafft. Nach einer sehr kurzen und sehr alkoholreichen Nacht sind wir am naechsten morgen frueh bei unserer Travel-Agency vorstellig geworden. Und wie durch ein Wunder hatte die ploetzlich vier Tickets fuer den Zug am gleichen Abend, eine andere Gruppe hatte wegen Krankheit abgesagt. So viel Pech wir also am Tag vorher hatten, umso mehr hat uns das Glueck dann am Freitag ein-, ja sogar ueberholt. Insgesamt hat uns unsere Dummheit also 20 Euro (man kriegt nicht den vollen Ticketpreis zurueck) und einen Tag in Tibet gekostet.

Die Reise selber ging dann viel schneller vorbei als wir alle befuerchtet hatten und war definitiv ein Erlebnis. Die Strecke Peking-Lhasa ist die hoechstgelegene Eisenbahnlinie der Welt, worauf die Chinesen auch ziemlich stolz sind. Alle halbe Stunde kommen "informative" Durchsagen, welch einmaliges Projekt die Bahn doch ist und wie viel unermesslichen Reichtum sie Tibet bringen wird. Naja, darueber laesst sich streiten.

Unbestreitbar ist allerdings die fantastische Landschaft, an der man waherend der Fahrt vorbei kommt. Auf Fotos ist dieser Eindruck leider nicht sonderlich gut festzuhalten, aber ewige Weiten, Schneelandschaften, Rinder-Herden und Regenbogen sind schon beeindruckend. Insgesamt erreicht die Bahn eine Hoehe von 5200 Metern, dann wird auch zusaetzlich Sauerstoff in die Abteile gepumpt. Wer will kann sich auch einen Schlauch zu einem individuellen O2-Anschluss bestellen, ein Spass ist das allemal.

Zwei der Bilder muessen allerdings noch erklaert werden: Dieses unansehnliche Waschbecken ist keineswegs das Ergebnis unserer kurzen, alkoholreichen Nacht. Vielmehr ist es das Ergebnis zahlreicher Chinesen, die ihre unzaehligen Nudelsuppenrest (im Schnitt wuerde ich schaetzen vier pro Stunde pro Waggon) schlauerweise in die Waschbecken gekippt haben. Sauber gemacht wurde in den 48 Stunden natuerlich nicht.

Und warum hat der Peter eine Platzwunde an der Augenbraue? Da muessen wir etwas weiter ausholen und unsere Schulkenntnisse Physik, achte Klasse ausgraben. Man stelle sich vor, man kauft Bier in Peking. Peking liegt 57 Meter ueber dem Meeresspiegel. Man kauft viel Bier, so dass auch nach 40 Stunden Zugfahrt noch Bier uebrig ist. Man will das Bier dann trinken. Man oeffnet die Flasche schwungvoll mit einem Feuerzeug. Was man dabei nicht beachtet: Mittlerweile befindet man sich rund 5200 ueber dem Meeresspiegel. Richtig: Aua!

Passiert ist zum Glueck nicht viel, es sieht viel schlimmer aus als es ist. Gehoert aber definitiv zu einer meiner Lieblingsverletzungen!
Darauf: Prost!

Fiinaaale



Das ist das Problem mit nichtaktuellen Blogeintraegen: Die Realitaet kassiert die Botschaft der Ueberschrift schon wieder ein. Ich WEISS, dass die deutschen Maedels mittlerweile Weltmeister geoworden sind (wir haben eine Halbzeit vom Endspiel auf einem flimmernden Fernseher in Tibet gesehen) und die Freude ueber den Finaleinzug etwas anachronistisch daherkommt. Was also aendern? Eine andere Ueberschrift waehlen? Nein. Denn hier geht es darum, was wir vor zwei Wochen erlebt haben - und wie wir uns darueber gefreut haben.

Das Halbfinale Deutschland gg. Norwegen war in Tianjin, unsere fast germanische Horde (14 Deutsche, eine Norwegerin) ist mit dem Zug in die 200 Km suedlich von Beijing gelegene Stadt einmar- aeh, -gereist. Tianjin gehoert dabei laut einer Aufzaehlung von Spiegel Online zu den zehn verseuchtesten Orten der Welt. Etwa die Haelfte (!) der chinesischen Bleiproduktion findet hier statt, dementsprechend verschmutzt ist die Umwelt: Die durchschnittliche Bleikonzentration in der Luft uebersteigt die internationalen Grenzwerte bis um das Zehnfache. Vielleicht taeuscht der Eindruck, aber meine Meinung nach hat man das den Menschen tatsaechlich angesehen. Ich habe kein einziges laechelndes Gesicht auf dem Weg zum Stadion gesehen. Das gesamte Stadtbild duerfte dabei sein Uebriges getan haben, sozialistisch-monotones Grau-in-Grau war unuebersehbar.

Ok, Themensprung. Der Verlauf des Spiels ist schnell erzaehlt: In einer (selbst fuer Frauenfussball) eher unansehnlichen Partie sind die deutschen Damen gluecklich (Eigentor) aber nicht unverdient (spielerische Ueberlegenheit) in Fuehrung gegangen. Dann in der zweiten Haelfte noch zwei Tore nachgelegt und letztlich ueberzeugend ins Finale eingezogen. Der Rest ist Geschichte - wir sind immer noch wer und deutsche Maedels einfach die Besten :-)

Spannender ist dagegen das Drumherum. Ich will hier keine epische Diskussion lostreten, zumal jeder in diesem Punkt eine andere Auffassung haben wird, aber: Was macht fuer Euch eigentlich den Reiz des Live-Fussballs aus? Zwei von weiteren Kernelementen sind fuer mich das Bier im Stadion und die, ja, sagen wir mal kollektive Ausgelassenheit. Zu deutsch: Singen, Groelen, Schreien. Emotion und Extase.

Wie funktioniert Fussball (immerhin ein vom WELTverband Fifa veranstaltetes Turnier) in China? Anders.

Im Stadion gab es kein Bier. Ok, das war zu verschmerzen, zumal wir schon auf der Zugfahrt gut zugeschlagen hatten. Trotzdem ein Sakrileg. Viel schockierender aber war der Umgang mit uns Fans: Wir hatten unsere Plaetze ganz oben im Unterrang, waren dort quasi unser eigener Fanblock. (Einen offiziellen Fanblock gab es uebrigens nicht. Begruendung: Da es ja Play-Off-Spiele seien, wisse man ja im Vorfeld nicht, wer gegen wen spielen wuerde, darum gebe es keine Bloecke fuer die einzelnen Laender. Absurd. So waren kleine deutsche und norwegische Grueppchen im Stadion verstreut). Naja, dort oben haben wir dann gestanden, und geklatscht und in regelmaessigen Abstaenden unsere Lieder gesungen. Fussball eben. Bis dann ein Ordner zu uns kam und meinte: "Would you please sit down and be quiet?"

Im Fussballstadion. Bei einer WM! Unglaublich. Eine entsprechende Beschwerde-Mail an die Fifa ist uebrigens bis heute unbeantwortet geblieben. Ebenso unglaublich war dann aber die Reaktion der Chinesen, die um uns herum sassen. Die hatten naemlich so einen Spass an uns, dass sie den Ordnern klar gemacht haben, dass wir natuerlich stehen bleiben und singen sollten.

Neben den anderen Fan-Grueppchen waren wir allerdings in der Tat das einzig belebende Element im (fast ausverkauften) Stadion. Wenn Chinesen Fussball gucken, sieht das in etwa so aus: Still auf den Stuehlen sitzen und gelegentlich hoeflich Beifall klatschen, wenn eine der beiden Mannschaften in Strafraumnaehe kommt. Insgesamt hat uns das Publikum eher an Theater-Gaeste erinnert. Ok, klar, die meisten Chinesen hatten sich auf ein Halbfinale China gegen Deutschland gefreut. Und es war der etwas unpopulaerere Frauenfussball. Aber so wenig Emotion habe ich noch nie im Stadion erlebt.

Bis wir kamen. Ermutigt durch die Reaktionen um uns herum haben wir erst immer lauter "Women ai de guo" (Wir lieben Deutschland) gesungen. Als wir dann den Schlachtruf in "Women ai zhong guo" (Wir lieben China) geaendert haben, hat wie aus dem Nichts fast der ganze Block mitgesungen. Immer kritisch beaeugt von den Ordnern, kollektive, emotionale Meinungsaeusserung in der Oeffentlichkeit ist hier eben weitestgehend unbekannt. Naja, nachdem wir nach dem 2:0 und 3:0 jeweils eine Polonaise durch den Block gemacht haben, konnten wir unsere chinesischen Freunde von unten sogar zu einer La Ola animieren. Davon gibt es leider kein Video, unseren restlichen Erfolg zur Etablierung westlicher Fussballrituale in die chinesische Kultur seht ihr aber hier: