


Ich moechte reich werden. Sehr reich. Mit......Singen!
Ok, bevor die leidgeplagte Familie (Weihnachten), geduldige Freunde (Ding, RoseClub, Karneval) und meine alte Wohnung (Dusche) sich jetzt um meine finanzielle Zukunft sorgen und anfangen Geld zu spenden - was natuerlich trotzdem jederzeit willkommen ist - erst noch folgender Hinweis: Ich moechte nicht Geld verdienen, indem ich selber singe. Ich lasse singen.
Ich muss etwas weiter ausholen. Der Anstoss fuer meine Geschaeftsidee liegt etwa vier Wochen zurueck, es war glaube ich meine zweite Woche hier in Beijing. Damals haben wir uns bei mir im Zimmer zu einer "Picture-Share-Party" getroffen. Einfach mal alle Bilder austauschen, die wir bis dahin hier in China gemacht haben. Harmlos.
Naja, wie das mit den harmlosen Parties immer so ist: sie arten aus. Chris, Peter und ich haben angefangen, den Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim zu pluendern. Genauer gesagt: Das Bier aus dem Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim (ja, es gibt hier noch das gute alte Dosenbier, sogar noch mit den alten Abreiss-Verschluessen!).
Nebenbemerkung: Chinesische Wohnheime sind anders als deutsche und - wie mir meine Freunde hier versichert haben - europaeische Wohnheime. Hier geht es seeehr ruhig und seeehr gesittet vor sich. Offiziell. Jetzt stellt Euch also die beiden armen chinesischen
Maedels im Eingangsbereich vor, wo der Getraenkeautomat steht. Beides vermutlich Erstsemesterinnen (die muessen hier die miesen Jobs machen, dazu wann anders mehr), die Nachtportier gespielt haben. Und dann sehen sie in regelmaessigen Abstaenden Chris, Peter oder mich, wie wir - laut deren Verstaendnis - immer wieder Unmengen an Bier aus diesem Automaten ziehen. Und dann seht ihr die Angst in ihren Augen. Diesen Gedanken: Ok. Das ist die Situation, fuer die ich zwei Jahre lang hart trainiert habe...
Irgendwann war es zwei Uhr morgens, und wir sind auf die brilliante Idee gekommen, in der Stadt etwas Essen zu gehen. Natuerlich nicht, ohne im Aufzug stecken zu bleiben. Peter guckt sehr unschuldig auf dem Foto, wer nun wirklich gehuepft ist, daran erinnern wir uns nicht mehr. Vielleicht war ich es auch selber, in Erinnerung an meinen guten alten Aufzug in Koeln. Diesmal hat sich das Training unserer Empfangs-Damen bezahlt gemacht, nach weniger als fuenf Minuten funktionierte der Aufzug wieder. Wir uns also auf unsere Fahrraeder geschwungen, lecker Bauze und Jiaoze gegessen, und ploetzlich standen wir vor einem KTV.
KTV ist eine Art chinesische Karaoke-Kette. Und wir sind ins KTV gegangen. Und sind lange geblieben. Und haben uns die Seele aus dem Leib gesungen. Looking for freedom, Hey Jude, Barbie Girl, die ganze Palette! Um sechs Uhr morgens waren wir wieder zu Hause. Dieser Abend ist als das "Karaoke-Desaster" in unseren Sprachgebrauch uebergegangen.
Was ich sagen will: Karaoke macht richtig Spass. Und das haette ich nie fuer moeglich gehalten. Und nahezu alle asiatischen Laender haben riesigen Spass mit Karaoke. In Europa und Amerika so gut wie niemand. Also werde ich es wie die Chinesen machen: "Adaptiere" eine Idee aus dem Ausland und werde zu Hause reich damit.
Zwei Fragen: Funktioniert Karaoke im Westen? Ich sage ja. Warum funktioniert Karaoke bislang noch nicht? Falsches Marketing, falsche Technik.
Zu Frage eins: Ich glaube nicht, dass es eine kulturelle/mentale Huerde gibt, warum Karaoke bei uns nicht funktionieren sollte. Karneval und Fussballstadion sind nur zwei Belege dafuer, dass (betrunkene) Menschen Spass am Singen haben. Ich habe das in den letzten zwei Wochen mal hier unter uns "westlichen" Austauschstudenten beobachtet. Sobald Alkohol im Spiel ist, tendieren Menschen dazu zu singen. Besser gesagt: Mitzusingen.
Warum klappt Karaoke dann -bislang - nicht bei uns? Nun, aus dem gleichen Grund, warum auch ich nicht gedacht haette, dass es mir Spass macht: Es hat einen schlechten Ruf. Karaoke, das ist dieses komische Zeug, was Japaner und Chinesen immer machen, wenn sie sich betrinken. Karaoke, da macht sich einer auf einer Buehne vor 30, 50, 80 wildfremden Leuten in einem Restaurant lustig. Karaoke, das kann ich eh nicht. Karaoke - das ist komisch.
So, an dieser Stelle muss man wissen, das Karaoke hier ganz anders ist. Man kriegt eben nicht vor 50 fremden Menschen ein Mikrofon in die Hand gedrueckt, sondern verzieht sich mit seinen Freunden in kleine, sehr gemuetliche Raeume, von der Aussenwelt komplett abgeschlossen. Man macht sich also nur vor sich selber laecherlich - und das ist ein Heidenspass. Und diese Raeume sind technisch super ausgestattet. Lautsprecher ueber alle Waende verteilt, die das ganze auch richtig laut werden lassen koennen. Auf Wunsch Diskobeleuchtung. Und ueber eine Art Fersehzeitschrift kann man mit NummernCode ganz einfach aus ueber 500 englischen - und unzaehligen, grauenhaften - asiatischen Titeln waehlen. Dazu kann man dann Alkohol und/oder was Kleines zu Essen bestellen.
So kann Karaoke bei uns funktionieren. Was genau ist zu tun? Wie gesagt, dieses System ziemlich eins zu eins adaptieren. Und dann brauchst Du ein exzellentes virales Marketing. Nenn es nicht mehr Karaoke, sondern (xxx? Fuer Vorschlaege bin ich dankbar) und gib dem ganzen einen einschlaegigen Slogan. Es muss sich schnell rumsprechen, was fuer ein Spass das ist. Am Anfang sollte Dein Zielpublikum betrunkene Laufkundschaft in belebten Kneipen-Vierteln sein. Ueberzeug die, was fuer ein Spass das ist. Und nach ihrem naechsten Kneipenbesuch kommen sie vielleicht schon selber auf die Idee. Und sie erzaehlen es weiter. Und irgendwann, dann planen sie aktiv, so eine Sing-Bar (hmm, gar nicht schlecht!) zu besuchen. Was machen wir heute Abend? Kino, Disko, Essen, Spieleabend, Sing-Bar? Es muss zur echten Alternative in der Freiszeitgestaltung werden.
Dafuer musst Du sehr schnell sehr gross werden. Darum der Ketten-Gedanke. Ich meine, Starbucks hat es auch in 20 Jahren geschafft. Und es ist "nur" Kaffee. Mit nur ein/zwei Laeden irgendwo wirst Du die Marke Karaoke und ihren Ruf nicht aendern koennen. Wird man damit reich? Man kann. Die Fixkosten fuer Personal sind sehr ueberschaubar. Anfangsinvestitionen fuer Technik sind hoch (eingekauft wird aber im billigen China), ebenso die Miete. Mit Getraenken laesst sich nach wie vor aber ein sehr komfortabler Gewinn erzielen, Eintrittspreise werden mit der Zeit angehoben.
Klar, im Moment ist das alles noch Spinnerei und beduerfte noch viel Recherche. Ob ich es dann wirklich irgendwann in 10 Jahren mache? Keine Ahnung. Erstmal bin ich auf Eure Meinungen gespannt. Traegt die Idee? Was habe ich bis hierhin uebersehen? Nur: Sollte ich im Februar zurueckkommen und am Flughafen eine Sing-Bar finden, verklage ich Euch alle! :-)
PS: Was mir natuerlich besonders gefaellt ist, wie ich reich werde. Indem andere Menschen Spass haben. Sich betrinken und singen. Geht's besser?





























