






Seit ich hier mit der Uni fertig bin, hatte ich endlich auch viel Zeit zum Sightseeing. Warum ich so lange damit gewartet habe? Naja, zum einen war da natuerlich der Uni-Stress. Auf der anderen Seite wollte ich bewusst bis Winter warten, weil dann die Haupttouristenstroeme versiegt sind und die Sehenswuerdigkeiten dann einen ganz eigenen Charme haben. Ausserdem waren im November noch Freunde zu Besuch in Peking, da konnte man das prima kombinieren. Ich will mich heute gar nicht episch ueber die einzelnen Sehenswuerdigkeiten auslassen, Bilder sprechen manchmal mehr als Worte. Darum nur ein paar Anmerkungen, einigen von Euch sind die Bauwerke ja sowieso schon bekannt.
Verbotene Stadt:
Ist schon sehr, sehr beeindruckend. Gar nicht mal so sehr von der Architektur der einzelnen Gebaeude her, die wiederholt sich doch recht bald. Aber die schiere Groesse ist beeindruckend. Die Anzahl der Raeume – dabei gilt jedoch der Zwischenraum zwischen vier Saeulen bereits als Raum – belaeuft sich auf insgesamt 9.999. Damit steht dem Himmelssohn (Kaiser) genau ein Raum weniger (10.000) zur Verfuegung, als ihn dann im Himmelreich erwartet. Ein paar Worte zum Kaiserleben vielleicht noch. Kaiser sein ist nicht sooo geil. Man stellt sich das ja recht paradiesisch vor, Prunk, Macht, Essen und Konkubinen zum Abwinken. Tatsaechlich war das Leben der Kaiser ziemlich strikt durchchoreographiert: Auf dem Tagesplan standen rituelle wie administrative Aufgaben, dazu kamen koerperliche Ertuechtigung und Heilbehandlungen. Essen war auch nicht das pure Vergnuegen: Es gab festgelegte kaiserliche Speisen, etwas anderes kam nicht auf die Karte. Das bedeutet: insgesamt hat der Kaiser in seinem Leben nicht mehr als 200 Gerichte kennengelernt. Und auch von denen durfte er nicht unbegrenzt essen. Aus Angst vor Vergiftung waren von jedem der gereichten Gerichte maximal fuenf Bissen erlaubt.
Zum Thema Frauen. Auch, wenn ausser dem Kaiser (und ein paar Eunuchen) ausschliesslich Frauen in der Verbotenen Stadt lebten: Selbstbedienung war trotzdem nicht angesagt. Der Kaiser konnte sich nicht einfach mit seinen Lieblingsfrauen in die hinteren Gemaecher zurueckziehen, nein, die „Frau des Tages“ wurde streng nach Mondkalender ausgesucht. Und auch dann war Vergnuegen nicht vorprogrammiert: Waehrend der Kaiser aktiv war, haben ihm Berater von hinter den Vorhaengen permanent zugerufen, er moege sich doch bitte nicht ueberanstrengen…
Lama-Tempel:
Gilt als der beruehmteste buddhistische Tempel Chinas. Hat mich persoenlich nicht soo ueberzeugt. Lag aber mit Sicherheit auch daran, dass ich in Tibet und auf meiner Reise im Sommer schon unzaehlige, aehnliche Tempel gesehen habe. Fuer den Tempel-Unerfahren aber mit Sicherheit ein grandioser Ausflug. Besonders imposant ist die 18 Meter hohe, vergoldete Statue eines Buddhas (Welcher, habe ich wieder vergessen. Es gibt einfach zuu viele von den Jungs) in der letzten Halle.
Qing-Graeber
Sollen schoener sein als die Ming-Graeber in der Umgebung von Peking, kann ich aber nicht beurteilen. Generell gilt Aehnliches wie fuer die Verbotene Stadt: Die Anlage gefaellt mir insbesondere von ihrer Weitlaeufigkeit und ihrer schieren Dimension her. Wie hat man sich diese Graeber vorzustellen? Nun, in den Qing-Graebern sind zunaechst einmal alle Kaiser der (Ueberraschung!) Qing-Dynastie begraben, das war die letzte Kaiserdynastie vor der Republik. Das juengste Grab ist damit auch gerade einmal gute hundert Jahre alt. Von Peking aus faehrt man circa vier Stunden zur Grabanlage. Warum so weit ausserhalb und nicht in der Naehe beispielsweise der Verbotenen Stadt? Nun, so eine Grabanlage muss nach ganz speziellen Feng-Shui-Regeln angelegt sein, Hanglage und Nord-Sued-Ausrichtung wurden fuer die ewige Wohnanlage dabei bevorzugt. So eine Grabstaette umfasst dann auch gerne einmal etliche Quadratkilometer, insgesamt waren es bei den Qing-Graebern glaube ich um die 58 einzelnen Grabtempel.
Temple of Heaven
Hat mich im Gegensatz zum Lama-Tempel sehr beeindruckt. Was aber wahrscheinlich auch daran lag, dass es sich beim Temple of Heaven nicht um einen Tempel im klassischen Sinne (also ein- oder mehrere Gebaeude auf einem abgesteckten Gebiet) handelt. Viel eher kann man den ToH als Park mit verschiedenen rituellen Staetten beschreiben. Dabei war die Anlage nicht einer bestimmten Religion gewidmet. Vielmehr hat der Kaiser hier ganz allgemein zum Himmel (und fueher auch zur Erde) fuer eine reichhaltige Ernte und gegen Naturkatastrophen gebetet.
Was mir dort auch gut gefallen hat: Viele, sehr viele Chinesen sitzen frohlich herum, treiben Sport, spielen Spiele oder unterhalten sich. Der ToH ist nicht nur Sehenswuerdigkeit, sondern auch Treffpunkt. Dieses „Draussen-Treffen“ hat eine Tradition: Hier in Peking lebten die Menschen noch bis vor kurzem ueberwiegend in Hutongs, also kleinen, dorfaehnlichen Stadtvierteln zusammen. Nachbarschaft war dabei ganz gross geschrieben. Nunja, diese Hutongs mussten dann zu Gunsten von verglasten Grossraumbueros weichen, die Menschen umgesiedelt in einen der unzaehligen Wohnbloecke, die das Stadtbild Pekings praegen. Da es sich aber auf den Fluren nicht mehr so gut nachbarschafteln laesst wie frueher in den Hutongs, halten sich viele Menschen heute tagsueber in den Parks auf.
Nett am ToH sind auch einige akustische Spielereien. Ein Gebaeude ist von einer langen, runden Mauer umgeben. Die Mauer uebertraegt den Schall so genau, dass, wenn ein Mensch am einen Ende der Anlage gegen die Wand spricht, ein andere ihn auf der gegenueberliegenden Seite verstehen kann. Oder der Himmelsaltar: Steht man in dessen Zentrum (das Bild, wo ich die Sonne halte) und fluestert, wird der Schall von der umgebenden Mauer verstaerkt und man hoert sich selber in normaler Lautstaerke. Alle anderen um einen herum nehmen aber nur ein leises Fluestern wahr. Boese Zungen koennten jetzt behaupten, das waere die perfekte Umgebung fuer mich: ICH selber kann mir gut und laut zuhoeren, IHR aber werdet nur von einem leisen Fluestern belaestigt…
So, da das der Eintrag fuer den 24. Dezember ist, wuensche ich Euch allen (vor allem denen, die ich sonst nicht erreiche) auf diesem Weg frohe Weihnachten, wo auch immer ihr gerade stecken moeget. Feiert schoen im Kreise der Menschen, die Euch lieb sind! Und morgen gibt es dann einen Weihnachts-Blog-Eintrag, mit Bildern, wie man hier so Weihnachten feiert! So viel vorab: Wir haben unseren eigenen (Plastik)Weihnachtsbaum und werden heute Abend zum festlichen Essen so um die 10 Leute sein. Geschenke gibt es natuerlich auch ganz viele und Weihnachtsmusik ist shcon vorbereitet! In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten!