© M. Yamashita

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Weihnachtszeit - Reisezeit







So ihr Lieben,

ich hatte ja eigentlich fuer gestern schon Weihnachtsbilder und -geschichten versprochen, nun klappt es leider erst heute, dafuer gibt es weiter unten auch einen kleinen Artikel ueber Olympia.

Zunaechst einmal: Nachtraeglich frohe Weihnachten an alle, die es noch nicht erreicht hat. Leider bin ich gerade mitten in meinen Reisevorbereitungen (dazu weiter unten mehr) darum bleibt gar nicht soo viel Zeit, von Weihnachten zu erzaehlen, die Bilder sollen da einmal fuer sich sprechen. Wir hatten auf jeden Fall viel Besuch, 10 Freunde (ueberwiegend Chinesen und Arbeitskollegen von unserem Mitbewohner). Fuer die haben wir lecker gekocht: Als Vorspeise gab es Garnelen (das Kilo fuer super-gute 4 Euro) mit Avocade und Walnuessen, als Hauptgang Rindergeschnetzeltes mit selbstgemachtem Rotkohl und Kartoffelkloessen und zum Nachtisch Stollen, den beccis Mutter mitgebracht hatte, als sie hier in Peking war. Unseren Baum haben wir ueberwiegend mit IKEA eingeschmueckt, sah aber richtig stilvoll aus. Der Baum selber ist aus Plastik - was hier definitiv die bessere Wahl ist. Originale Tannen sind um ein vielfahes teurer und dabei gleichzeitig um ein vielfaches haesslicher. Meistens braun und nadelig, die Reise ueber den Ozean hat dann wohl doch zu lang gedauert. Lustig ist dabei aber, dass die (gefaellten) Baueme einem in riesigen Kuebeln mit Erde angeboten werden, die den Eindruck eines lediglich entwurzelten Baumes vortaeuschen sollen. Pech gehabt, wir sind nicht drauf reingefallen...

Naja, im spaeteren Abendverlauf haben wir dann noch unsere Geschenke ausgepackt, ein wenig auf dem Balkon gesungen und es uns dann gemuetlich gemacht. Ein definitiv anderes Weihnachten als in Deutschland, aber auch ein gutes.

So, damit endet meine Zeit in Peking. In zwei Stunden werde ich mit dem Zug nach Shanghai fahren und dort meinen Bruder Markus treffen. Gemeinsam reisen wir dann durch Suedchina, an Silvester werden wir auf dem Yangtse sein, drei Tage Kreuzfahrt bis zum Drei-Schluchten-Staudamm. Dann geht es weiter nach Hongkong, da stoesst dann becci zu uns. Mein Bruder fliegt nach Hause, gemeinsam mit Becci reise ich dann weiter nach Vietnam. Ab Ende Januar geht es dann fuer mich allein weiter nach Laos und Kambodscha und wahrhscheinlich noch weiter nach Thailand. Und Ende Februar/Anfang Maerz bin ich dann endgueltig wieder in Deutschaldn zurueck. Keine Ahnung, wie oft ich von unterwegs aus bloggen kann, ich werde mich aber um halbwegs aktuelle Geschichten bemuehen!

In diesem Sinne: Liebe Gruesse und falls wir uns vorher nicht mehr sprechen: Alles erdenklich gute fuer 2008!

PS: Auf dem letzten Bild sieht man meine neueste kulinarische Erfahrung: Seeigel zum Loeffeln. Eigengeschmack wegen zu starker Gewuerze leider nicht erkennbar. War vielleicht auch ganz gut so...

Peking und Olympia




Wenn man ein halbes Jahr vor Olympia in Peking ist, kommt man nicht darum herum, einen Eintrag ueber die Olympischen Spiele und die Vorbereitungen hier vor Ort zu schreiben. Ein Spiegel-Artikel von vor drei Wochen beschreibt anschaulich, wie weit die Vorbereitungen schon gediegen sind und dass es vorgestern losgehen koennte. Und liegt damit mal so richtig gruendlich daneben. Keine Ahnung, wo der Autor recherchiert hat, in Peking jedenfalls nicht.

Bevor Missverstaendnisse aufkommen: Ich gehe zu einhundert Prozent davon aus, dass puenktlich zu den Olympischen Spielen und sogar noch weit davor alles fertig sein wird – nur ist es das eben jetzt noch nicht. Trotzdem lassen die meisten Gebaeude schon jetzt ihre enorme Dimension und Einzigartigkeit erahnen. Das Schwimmstadion mutet mit seiner Aussenhuelle aus Luftblasen sehr futuristisch an, die Turnhalle erinnert ein wenig an den neuen Hauptbahnhof in Berlin. Mein absoluter Favorit ist und bleibt aber das Olympiastadion, das so genannte „Vogelnest“. Die Stahltraegerarchitektur soll dem ganzen Bau bewusst einen unfertigen Ausdruck verleihen und damit den Aufbruch Chinas symbolisieren.

Exkurs: Eigentlich wollte ich ja auch noch einen Artikel ueber Bautaetigkeit allgemein in Peking schreiben, aber das ist einfach unbeschreiblich. Ueberall, aber wirklich ueberall stehen Rohkonstruktionen hinter den typischen gruenen und blauben Absperrungen, Schweissgeraete blitzen nachts auf, Kraene schwenken ueber Strassen, das ganze untermalt vom monotonen Stampfen diverser Baugeraete. Diese Stadt vibriert. Ein Beispiel: Neulich bin ich nachts bei uns ueber den Hauptkreisverkehr (vierspurig) gelaufen. Tagsueber ein normaler Kreisverkehr, in dieser einen Nacht das komplette Gegenteil: 200 Arbeiter hatten das ganze Areal in einer riesige Baustelle verwandelt. Alles war durch riesige, mobile Neonlichter taghell erleuchtet, ueberall wurde Teer verlegt, Fahrbahn ausgebessert und Bruecke saniert. Am naechsten Vormittag war der ganze Spuk vorbei. Unglaublich. Ich will, dass auf deutschen Autobahnen genau so produktiv gearbeitet wird!!)

Zurueck zum Thema Olympia: Ich habe es in der Tat geschafft und war dort, wo die Welt in acht Monaten hinschauen wird. Wenn dort im August 2008 die Olympische Fackel fuer vier Wochen das Olympische Feuer entzuenden wird. Ich habe mich ins Olympische Heiligtum geschmuggelt, ich war IM OLYMPIASTADION (Beweisfotos gibt es spaeter, die sind mit Beccis Kamera gemacht worden...). Wie geht so etwas? Normalerweise muss man mindestens Bauarbeiter auf der Baustelle oder zumindest Staatschef eines mittelgrossen Landes sein um die Baustelle des Olympiastadions besichtigen zu duerfen. Mittlerweile hat sich rund um das Stadion allerdings eine kleine Schmuggel-Industrie angesiedelt. „Bin ich Arbeiter mit Lizenz zum Reinfahren. Gibst Du mir Geld, faehrst Du hinter meinen getoenten Scheiben mit auf die Baustelle.“ Fuer drei Euro eigentlich ein unschlagbares Angebot. Stellt man sich dann auf der Baustelle halbwegs geschickt an, findet man den unterirdischen Eingang fuer den Marathon-Lauf und kommt so ziemlich unbehelligt (ein paar Arbeiter haben verdutzt geguckt) ins Olympische Rund. Und was soll ich sagen? Extrem beeindruckend, ddort zu stehen, wo in acht Monaten die Medaillen verliehen werden und schon einmal den 100-Meter-Sprint zu simulieren. Allerdings ist dort noch vieles unfertig. Sitze gibt es erst auf der Haelfte der Tribuenen, das Stadionrund selber besteht derzeit noch aus einer riesigen Asphaltflaeche. Wie dort „vorgestern“ irgendwelche sportlichen Aktivitaeten haetten stattfinden sollen bleibt mir ein Raetsel…

Ganz generell kann man aber sagen, dass sich die Chinesen im Allgemeinen und die Pekinesen im Speziellen unglablich auf die Olympischen Spiele freuen. Die Geschichten rund um Luftverschmutzungsbekaempfungsmassnahmen und Englisch-Kurse fuer Taxifahrer (wo und wann auch immer die stattgefunden haben sollen, man merkt nichts davon) sind ja schon zur Genuege durch die westliche Presse gegangen. Was hier vor Ort besonders auffaellt, sind Erziehungsversuche fuer die eigene Bevoelkerung. In der U-Bahn laeuft dann schon mal ein kleiner Film ueber ruecksichtsvolles Anstellen in Schlangen und dass Rotzen und Spucken in der Oeffentlichkeit das westliche Publikum zumindest stoeren koennte. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass nicht alle Chinesen ein genaues Bild von Olympia haben. Nur, dass es gross ist und China sich praesentieren will. So ist mir folgender Dialog schon zweimal untergekommen, als ich nach dem Weg gefragt habe: „Excuse me, can you tell me where I can find XYZ?“ – „Of course. I show yo, just follow me“. Zwei Sekunden spaeter: „Did you know? Next year is Olympia in Beijing“.

Montag, 24. Dezember 2007

2000 Jahre Kultur








Seit ich hier mit der Uni fertig bin, hatte ich endlich auch viel Zeit zum Sightseeing. Warum ich so lange damit gewartet habe? Naja, zum einen war da natuerlich der Uni-Stress. Auf der anderen Seite wollte ich bewusst bis Winter warten, weil dann die Haupttouristenstroeme versiegt sind und die Sehenswuerdigkeiten dann einen ganz eigenen Charme haben. Ausserdem waren im November noch Freunde zu Besuch in Peking, da konnte man das prima kombinieren. Ich will mich heute gar nicht episch ueber die einzelnen Sehenswuerdigkeiten auslassen, Bilder sprechen manchmal mehr als Worte. Darum nur ein paar Anmerkungen, einigen von Euch sind die Bauwerke ja sowieso schon bekannt.

Verbotene Stadt:

Ist schon sehr, sehr beeindruckend. Gar nicht mal so sehr von der Architektur der einzelnen Gebaeude her, die wiederholt sich doch recht bald. Aber die schiere Groesse ist beeindruckend. Die Anzahl der Raeume – dabei gilt jedoch der Zwischenraum zwischen vier Saeulen bereits als Raum – belaeuft sich auf insgesamt 9.999. Damit steht dem Himmelssohn (Kaiser) genau ein Raum weniger (10.000) zur Verfuegung, als ihn dann im Himmelreich erwartet. Ein paar Worte zum Kaiserleben vielleicht noch. Kaiser sein ist nicht sooo geil. Man stellt sich das ja recht paradiesisch vor, Prunk, Macht, Essen und Konkubinen zum Abwinken. Tatsaechlich war das Leben der Kaiser ziemlich strikt durchchoreographiert: Auf dem Tagesplan standen rituelle wie administrative Aufgaben, dazu kamen koerperliche Ertuechtigung und Heilbehandlungen. Essen war auch nicht das pure Vergnuegen: Es gab festgelegte kaiserliche Speisen, etwas anderes kam nicht auf die Karte. Das bedeutet: insgesamt hat der Kaiser in seinem Leben nicht mehr als 200 Gerichte kennengelernt. Und auch von denen durfte er nicht unbegrenzt essen. Aus Angst vor Vergiftung waren von jedem der gereichten Gerichte maximal fuenf Bissen erlaubt.

Zum Thema Frauen. Auch, wenn ausser dem Kaiser (und ein paar Eunuchen) ausschliesslich Frauen in der Verbotenen Stadt lebten: Selbstbedienung war trotzdem nicht angesagt. Der Kaiser konnte sich nicht einfach mit seinen Lieblingsfrauen in die hinteren Gemaecher zurueckziehen, nein, die „Frau des Tages“ wurde streng nach Mondkalender ausgesucht. Und auch dann war Vergnuegen nicht vorprogrammiert: Waehrend der Kaiser aktiv war, haben ihm Berater von hinter den Vorhaengen permanent zugerufen, er moege sich doch bitte nicht ueberanstrengen…

Lama-Tempel:

Gilt als der beruehmteste buddhistische Tempel Chinas. Hat mich persoenlich nicht soo ueberzeugt. Lag aber mit Sicherheit auch daran, dass ich in Tibet und auf meiner Reise im Sommer schon unzaehlige, aehnliche Tempel gesehen habe. Fuer den Tempel-Unerfahren aber mit Sicherheit ein grandioser Ausflug. Besonders imposant ist die 18 Meter hohe, vergoldete Statue eines Buddhas (Welcher, habe ich wieder vergessen. Es gibt einfach zuu viele von den Jungs) in der letzten Halle.

Qing-Graeber

Sollen schoener sein als die Ming-Graeber in der Umgebung von Peking, kann ich aber nicht beurteilen. Generell gilt Aehnliches wie fuer die Verbotene Stadt: Die Anlage gefaellt mir insbesondere von ihrer Weitlaeufigkeit und ihrer schieren Dimension her. Wie hat man sich diese Graeber vorzustellen? Nun, in den Qing-Graebern sind zunaechst einmal alle Kaiser der (Ueberraschung!) Qing-Dynastie begraben, das war die letzte Kaiserdynastie vor der Republik. Das juengste Grab ist damit auch gerade einmal gute hundert Jahre alt. Von Peking aus faehrt man circa vier Stunden zur Grabanlage. Warum so weit ausserhalb und nicht in der Naehe beispielsweise der Verbotenen Stadt? Nun, so eine Grabanlage muss nach ganz speziellen Feng-Shui-Regeln angelegt sein, Hanglage und Nord-Sued-Ausrichtung wurden fuer die ewige Wohnanlage dabei bevorzugt. So eine Grabstaette umfasst dann auch gerne einmal etliche Quadratkilometer, insgesamt waren es bei den Qing-Graebern glaube ich um die 58 einzelnen Grabtempel.

Temple of Heaven

Hat mich im Gegensatz zum Lama-Tempel sehr beeindruckt. Was aber wahrscheinlich auch daran lag, dass es sich beim Temple of Heaven nicht um einen Tempel im klassischen Sinne (also ein- oder mehrere Gebaeude auf einem abgesteckten Gebiet) handelt. Viel eher kann man den ToH als Park mit verschiedenen rituellen Staetten beschreiben. Dabei war die Anlage nicht einer bestimmten Religion gewidmet. Vielmehr hat der Kaiser hier ganz allgemein zum Himmel (und fueher auch zur Erde) fuer eine reichhaltige Ernte und gegen Naturkatastrophen gebetet.

Was mir dort auch gut gefallen hat: Viele, sehr viele Chinesen sitzen frohlich herum, treiben Sport, spielen Spiele oder unterhalten sich. Der ToH ist nicht nur Sehenswuerdigkeit, sondern auch Treffpunkt. Dieses „Draussen-Treffen“ hat eine Tradition: Hier in Peking lebten die Menschen noch bis vor kurzem ueberwiegend in Hutongs, also kleinen, dorfaehnlichen Stadtvierteln zusammen. Nachbarschaft war dabei ganz gross geschrieben. Nunja, diese Hutongs mussten dann zu Gunsten von verglasten Grossraumbueros weichen, die Menschen umgesiedelt in einen der unzaehligen Wohnbloecke, die das Stadtbild Pekings praegen. Da es sich aber auf den Fluren nicht mehr so gut nachbarschafteln laesst wie frueher in den Hutongs, halten sich viele Menschen heute tagsueber in den Parks auf.

Nett am ToH sind auch einige akustische Spielereien. Ein Gebaeude ist von einer langen, runden Mauer umgeben. Die Mauer uebertraegt den Schall so genau, dass, wenn ein Mensch am einen Ende der Anlage gegen die Wand spricht, ein andere ihn auf der gegenueberliegenden Seite verstehen kann. Oder der Himmelsaltar: Steht man in dessen Zentrum (das Bild, wo ich die Sonne halte) und fluestert, wird der Schall von der umgebenden Mauer verstaerkt und man hoert sich selber in normaler Lautstaerke. Alle anderen um einen herum nehmen aber nur ein leises Fluestern wahr. Boese Zungen koennten jetzt behaupten, das waere die perfekte Umgebung fuer mich: ICH selber kann mir gut und laut zuhoeren, IHR aber werdet nur von einem leisen Fluestern belaestigt…


So, da das der Eintrag fuer den 24. Dezember ist, wuensche ich Euch allen (vor allem denen, die ich sonst nicht erreiche) auf diesem Weg frohe Weihnachten, wo auch immer ihr gerade stecken moeget. Feiert schoen im Kreise der Menschen, die Euch lieb sind! Und morgen gibt es dann einen Weihnachts-Blog-Eintrag, mit Bildern, wie man hier so Weihnachten feiert! So viel vorab: Wir haben unseren eigenen (Plastik)Weihnachtsbaum und werden heute Abend zum festlichen Essen so um die 10 Leute sein. Geschenke gibt es natuerlich auch ganz viele und Weihnachtsmusik ist shcon vorbereitet! In diesem Sinne:


Frohe Weihnachten!

Sonntag, 23. Dezember 2007

Skifahren.








Das traditionelle Skifahren mit Freunden faellt fuer mich im kommenden Februar aus. Warum? Ich werde zu dieser Zeit entweder Tauchen in Thailand, Klettern in Kambodscha oder Laufen in Laos (Letzteres wohl eher nicht, aber sonst haette es mir die schoene Alliteration zerschossen…).

Damit ich aber keine Entzugserscheinungen kriege, sind wir einfach hier in Peking Skifahren gegangen. Naja, nicht direkt in Peking, sondern 100 Kilometer ausserhalb. Und ich rede hier nicht etwa von Skihalle, nein, die Chinesen haben sich hier ein richtiges kleines Skigebiet aus dem Boden gestampft. Lustig: Dieses Skigebiet liegt von den klimatischen Verhaltnissen eigentlich in einer Wueste, soll heissen: Dort gibt es statistisch gesehen nur in zwei Monaten des Jahres Niederschlag. Wenn es dann aber einmal geschneit hat, bleibt der Schnee dafuer umso laenger liegen, Berge von Kunstschnee tun ihr Uebriges. Wie kommen Chinesen an ein Skigebiet? Ganz einfach: Sie bauen alte Skilifte in den Alpen ab und verschiffen sie vor ihre eigene Haustuere. Besonders stolz sind die Betreiber uebrigens auf ihre Pistenraupe aus Deutschland. Vor Ort kann man sich alles leihen: Skianzug, Schuhe, Skier, Stoecke. Wobei die Skier schon recht eigenwillig sind: Die Bindung ist so weit hinten montiert, dass dort noch circa 30 Zentimeter Ski uebrig bleiben, vorne dafuer gut und gerne das fuenffache. Dementsprechend schnell verliert man dann auch das Gleichgewicht und kippt nach hinten ueber. Macht aber nichts, Becci, Birte und ich hatten trotzdem einen rieseigen Spass. Sehr niedlich sind auch die Chinesen. Eine Horde Asiaten in einem Skigebiet ist per se schon mal ein komischer Anblick. Faszinierend aber ist deren Hingabe, mit der sie Skifahren lernen. Auch, wenn sie es eigentlich (noch) nicht koennen, stuerzen sie sich nach kurzer Zeit schon die rote Piste runter. Das alles so ziemlich ohne Ruecksicht auf Verluste, Augen zu und Schuss. Wenn sie dabei einmal stuerzen, schuetteln sie sich kurz und fahren dann sofort weiter. Ich glaube, ich selber habe damals mit meinen zwei Jahren erstmal ganz gut geschrieen, als ich angefangen habe Skifahren zu lernen.

Becci meinte uebrigens, das Skigebiet sei dieses Jahr schon viel groesser als im letzten Jahr. Ich bin mal gespannt, wie weit die Anlage noch wachsen wird und wie stark sich Wintersport in China durchsetzen wird. Zum Massensport ist es auf jeden Fall noch ein weiter Weg. Denn: Noch bleibt Wintersport ein Exklusiv-Vergnuegen fuer die upper class…

Samstag, 22. Dezember 2007

Gastbeitrag Phil: Elektronikshoppen in Beijing

Er ist lange versprochen und angekündigt worden, jetzt liegt mein
Gastbeitrag für Fabians Blog vor.

Nachdem Fabian sein Akkuladegerät für die Digitalkamera
freundlicherweise Tibet überlassen hatte, und ich so oder so in ein
Elektronikkaufhaus wollte, hab ich es mir also zur Aufgabe gemacht,
ein Ersatzgerät zu erstehen. Das Prinzip des Kaufhauses, wie es in
China durchaus üblich ist, ähnelt dem in Deutschland bekannten nur in
zwei Punkten: Es ist auch ein Gebäude, und man kann dort einiges
kaufen. Ansonsten würde ich es eher mit einer Messe vergleichen: Die
Fläche ist untervermietet an eine große Zahl eigenständiger Händler,
die Stände in verschiedenen Größen, mit häufig sehr spezialisiertem
Warenangebot führen. Das Angebot ist dabei gar nicht schlecht, die
neuesten Lifestyleprodukte aus dem Hause Apple und Co sind genau so
verfügbar wie High End Notebooks und Digitalkameras. Preislich
allerdings nur aufgrund des – zumindest aus dieser Perspektive -
erfreulich schwachen Dollars attraktiv. Ein wichtiges Detail:
Natürlich gibt es immer mindestens zwei, eher zehn, Händler direkt
nebeneinander, die das exakt selbe Angebot führen.

Stürzen wir uns also ins Getümmel. Wörtlich. Ich als sprachliches
Wrack, der nach drei Wochen China vielleicht zehn Vokabeln mehr oder
weniger verständlich rüberbringen konnte, mit dem Anschauungsobjekt
bewaffnet rein in diese – Etage. Es war ein Werktag, irgendwann
früher Nachmittag. Der Laden gut gefüllt, allerdings zu 80% mit
Angestellten der Händler. Die haben zwar alle Anzüge bzw. Kostüme
getragen, ansonsten entsprach das Verhalten mal wieder dem in China
zu erwartenden:
- „Sir, Hello, Laptops? HP? Sony?“
- „Sir, Digital Camera!“
- „Sir, Apple, iPod! MP4!“
You get the idea. Ich hab mich also irgendwie durch diesen Mob
durchgeschlagen, und mein Glück zielstrebig bei dem Stand versucht,
der von einem riesigen Olympusschild geschmückt wurde. Jetzt also die
Aufgabe, ohne ein Wort Englisch, einer, ziemlich schnell vier,
Kameraverkäufern zu erklären, dass ich gerne ein Ladegerät für die
Kamera kaufen möchte. Kamera raus, Akku raus, wild gestikuliert,
Übersetzungsversuche auf Handy (Babelfisch, nein, keine Welle?). Das
hat dann ca. 15 Minuten gedauert, ohne großen Fortschritt. Auch die
Allzweckwaffe der Kommunikationswelt – Handy raus, Fabian angerufen,
der gerade zufälligerweise mit einer englisch sprechenden Chinesin
lernte, Handy an Verkäufer weitergeben, in der Hoffnung nicht die
Anweisung entnehmen sie bitte meine Organe mitgeteilt zu haben – hat
sich in diesem Moment als nicht wirksam erwiesen. Ich meine, so viele
Möglichkeiten gibt es doch nicht! Speicherkarte, Ersatzakku oder
Ladegerät. Vielleicht noch Datenkabel. Alles andere hatten wir auch
durch ...

Na ja, nach dem erfolglosen Telefonat gab mir eine der Verkäuferinnen
zu verstehen, ihr zu folgen. Also wieder durch den Mob, zu komplett
überfüllten Aufzügen. Dort ging es in den neunten Stock (von ca. 15,
sah von außen gar nicht so hoch aus) wo sich wieder unzählige Läden
befanden. Ein wenig leerer, großzügiger, dreckig, mit
Sitzgelegenheiten und vielen rumstehenden Kartons. So stelle ich mir
Hehler vor. Ich wurde auf eine Couch gesetzt, und musste erst mal
warten, „bewacht“ von einem Typen, der zwar nicht verstanden hat was
ich wollte, dafür aber meine Dosis Passivrauch für den Tag zur
Verfügung gestellt hat. Drei Kippen später kam dann endlich ein Typ,
der immerhin zwanzig Worte Englisch sprach, dem ich dann mit dem
ausgebauten Akku endlich klarmachen konnte, was ich wollte. Das immer
noch wartende Mädel, das mich hochgeführt hatte, wurde dann
weggeschickt und kam, zu meiner großen Überraschung, nicht nur mit
einem Ladegerät, sondern sogar einem passenden wieder! Erleichtert
darüber, endlich gefunden zu haben, was ich begehrte und ein wenig
perplex von der ganzen Situation, hab ich das abschließende
Preisgespräch komplett versaut und viel zu viel bezahlt. Umgerechnet
12 Euro waren eindeutig zu teuer. Zum Glück wurde ich danach bis vor
das Gebäude geleitet – alleine die Aufzüge im neunten Stock wieder zu
finden war nicht so leicht.

Dieser Exkurs war jetzt vielleicht nicht so sonderlich spannend,
illustriert meines Erachtens aber sehr gut, mit welchen Problemen man
in diesem Land zu kämpfen hat – und das war mitten in Beijing. Ich
will gar nicht wissen, wie das in weniger westlichen Städten
funktioniert. Eines ist jedoch klar: Zeit sollte man mitbringen. Ich
war eine Dreiviertelstunde beschäftigt, wo mich eine komplette ebay
Transaktion mit Paket auspacken wohl höchstens fünf Minuten kosten
würde. Zum Glück bin ich ja für meine Geduld bekannt. Und Fabian kann
endlich wieder Fotos machen.

Anmerkung: Dake fuer all Deine Muehen Phil. Da wird es Dich sicher enttaeuschen zu hoeren, dass ich das Laedegeraet mittlerwiele nicht mehr benoetige. Meine Kamera ist unter mysterioesen Umstaenden auf dem Tai Shan verschollen, ich habe mittlerweile aber einen noch besseren Ersatz gefunden :-)

Freitag, 21. Dezember 2007

Mauer.










Den Kopf meines Blogs ziert nicht zu Unrecht die Grosse Mauer. Die Mauer, das ist China fuer mich. Im uebertragenen Sinne: Imposant. Alt. Verschlungen. Riesig. Facettenreich. Renoviert. Verfallen. Vor allem aber Symbol fuer tausend Jahre Geschichte, in denen das Reich der Mitte dem Okzident technologisch und – teilweise – kulturell weit voraus war.

Die Mauer ist dann auch ungemein beeindruckend. Fuer alle, die einmal laenger als nur ein paar Tage in Peking sind, empfehle ich unbedingt einen Besuch der Mauer in Simatai. Das ist mit vier Stunden Anfahrt zwar deutlich weiter weg, dafuer aber auch nicht touristisch ueberlaufen und insgesamt ein wunderschoener Mauerabschnitt. Nicht restauriert, teilweise gut erhalten, an vielen Stellen aber auch verwittert, kann man dort eine Strecke von 10 Kilometern ueber die Mauer kraxeln. Das alles bei fantastischer Landschaft und vor allem: Stille. Wie laut und manchmal nervig hektisch es in dieser Stadt zugeht, merkt man erst so richtig, wenn es einmal still um einen ist. Permanentes staedtisches Hintergrundrauschen tauscht man dort gegen die Ruhe laendlicher Weitlaeufigkeit. Oder, mal ohne literarische Keule: Mauer ist geil. So geil, dass ich gleich zweimal dort gewesen bin: einmal mit Phil bei fantastischem Sonnenschein, einmal mit Martin, bei herrlicher Winterlandschaft. Den ganzen Vormittag ueber hatte es geschneit, die Wanderung geriet zu einer ganz schoenen Rutschpartie, da man die sTeine unter seinen Fuessen teilweise nur erahnen konnte. Das ganze hatte dabei aber einen unglaublichen Charme. Und wer kann schon von sich behaupten, imaginaere mongolische Heerscharen von der chinesischen Mauer aus mit Schneebaellen vertrieben zu haben? Wir hatten auf jeden Fall einen Mordsspass dabei. Gut auch das Ende von der Tour: Dort stuerzt man sich von der Mauer aus mit einer Art Seilbahn 200 Meter in die Tiefe. Und stellt sich dabei vor, der erste Mensch zu sein, der die Mongolen aus der Luft bekaempft :-)


Donnerstag, 20. Dezember 2007

Dekadent, Dekadenter, Leben in Peking.

Es gibt Tage, an denen habe ich Angst, nach Deutschland zurueckzukehren. Warum? Weil ich mich hier an einen Lebensstandard gewoehnt habe, der sich als Student zu Hause so nicht aufrechterhalten lassen wird. Putzfrau und Privatlehrerin hatten wir ja schon, es kommt noch einiges dazu: Zum Beispiel das taegliche Taxifahren, mehrmaliges Essengehen pro Woche, wahnsinnig exklusive Clubs zu guenstigen Preisen, deutsches Bier das hier billiger ist als in Deutschland, und, und, und.

Exemplarisch kann man diese Dekadenz ganz gut an den Wellness-Tempeln verdeutlichen. Dort zahlt man einen Fixpreis und darf sich dort dann fuer 24 Stunden aufhalten, Uebernachten inklusive. Das Angebot kann sich sehen lassen: Whirlpools, finnische Sauna, Dampfsauna. Selber abtrocknen ist dort out: Entweder, Du stellst Dich unter die Infrarot-Abtrockenmaschine oder laesst Dich von den Bedienungen abtrocknen. Meine persoenliche Lieblings-Dekadenz sieht aber so aus: Du liegst im Whirlpool, kriegst dabei Bier gereicht. Und auf dem Fernseher im Beckenrand laeuft gerade live Bayern Muenchen gegen Wolfsburg. Ach, Leben kann gut sein!

Wenn Du dann Hunger hast, gehst du einfach ein Stockwerk hoeher und triffst Dich dort mit den Maedels (die Badebereiche sind natuerlich getrennt) zum Abendessen / Fruehstueck / Mittagessen. Buffet ist naemlich inklusive. Was der ganze Spass kostet? Elf Euro fuenfzig, dem schwachen Dollar sei Dank.

Zusaetzlich dazu gibt es weitere Angebote, fuer die man allerdings extra bezahlen muss. Ich habe mir zum Beispiel eine Honig-Kokosmilch-Salz Masage fuer weitere sechs Euro geleistet. Und fuer noch einmal vier Euro habe ich dann eine, nun ja, interessante koerperliche Grenzerfahrung erlebt. Es gab in diesem Wellness-Tempel auch einen kleinen Teich mit vielen, vielen kleinen Fischen darin. Am Anfang habe ich das fuer einen Zierteich gehalten, bis ich das Preisschild neben dem Pool gesehen habe. Cool, habe ich gedacht, Baden mit kleinen Fischen, ist bestimmt lustig. Ich habe dann auch gut gelacht, aber nicht vor Spass, sondern weil es kitzelt. Kaum sass ich naemlich in diesem Teich, stuerzte sich ein Grossteil dieser „niedlichen“ Fische auf meinen Koerper und begann, an mir rumzuknabbern. Ueberall. Wie gesagt: Grenzerfahrung. Nach einer Weile gewoehnt man sich aber daran, dann ist es sogar ganz cool. Einen medizinischen Hintergrund hat das ganze uebrigens auch: Die Fische fressen wohl abgestorbene Hautzellen. Und, was soll ich sagen: es hilft. Ein paar kleine Schuerfwunden (Karneval!) waren danach fast voellig verschwunden. Ich ueberlege ernsthaft, ein paar dieser Fische zu importieren. Man weiss ja nie…

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Pekinger Untergrund

Wer jetzt Geschichten von meiner Revolutionskarriere hier, von stolzen Freiheitskaempfern und der „gemeinsamen Sache“ erwartet: Sorry, Todesstrafe ist mir doch zu tough. Statt Idealismus gibt es heute einen kurzen Eintrag ueber Pekings Untergrund im woertlichen Sinne: Grosse Teile der Stadt sind unterkellert, militaerische Anlagen ziehen sich spinnennetzartig quer unter der ganzen Stadt hindurch. Angeblich soll es moeglich sein, vom Tian an Men Platz zum Sommerpalast zu gelangen, ohne auch nur ein einziges Mal das Tageslicht zu erblicken. Entstanden ist dieses riesige System demnach zu der Zeit, als sich die Beziehungen zwischen China und Russland Ende der 60er Jahre deutlich verschlechtert hatten und die chinesische Regierung Angst vor einer Invasion des einstigen Bruderlandes hatte. Urspruenglich sollte die Anlage einem Viertel der Pekinesen Zuflucht bieten – und das waren auch damals schon verdammt viele Menschen.

Zwar kann man das unterirdische System heute besichtigen, die wahre Groesse kann man allerdings nur erahnen. Die Tour selber dauert nur knapp zwanzig Minuten und fuehrt ueberwiegend durch einen neonlichtbeleuchteten Gang mit vielen Windungen, an dessen Waenden viele, viele Fotos von Krieg, Panzern und China-Flaggen haengen. Von diesem Tunnel fuehren unzaehlige andere (vergitterte) Tunnel ab, die sich schon nach wenigen Metern in absoluter Dunkelheit verlieren. Der Ausflug in den Untergrund selber ist damit ziemlich unspektakulaer, andererseits laeufst man oben nicht mehr mit dem gleichen Gefuehl ueber Pekings Strassen. Wir wollten von unserem Untergrundfuehrer (ha, ha!) wissen: „Werden Teile der Anlage noch heute genutzt?“ – „I am not allowed to answer such questions!“

Dienstag, 18. Dezember 2007

Dat Haetz von d’r Welt ja dat is Peking, …





Wann genau bin ich eigentlich endgueltig bei Becci eingezogen? Richtig, es war der 11.11. 2007. Irgendwann spaet abends, und wie es sich fuer den 11.11. als Rheinlaender gehoert nicht mehr ganz nuechtern. Das war auch der Zustand, indem ich einige Stunden vorher – als weisses Haeschen – Beccis Mutter zum ersten Mal kennengelernt habe. Jungs, ich verrate Euch was: Macht es genauso. Nicht nur, weil man betrunkene weisse Haeschen einfach automatisch in sein Herz schliesst, nein, es gibt kaum eine unkompliziertere Art, so jemanden kennezulernen. An dieser Stelle: Liebe Gruesse an Dich, Martina. Und ueber Zielvereinbarungen unterhalten wir uns bald :-)

Also, wie feiert man Karneval in Peking? Erste einmal natuerlich: Vorgluehen mit Freunden. Statt Koelsch gibt es Peking-Bier, statt Mutzemandeln Baozi, aber ansonsten ist alles ziemlich stilecht. Karnevals-Musik hatte ich dabei, Youtube hat sein uebriges getan. Verkleidet waren wir natuerlich auch, als Polizisten, Hippies, Pippi Langstrumpf, Liza Minelli in ihren jungen Jahren, Dittsche, und eben als Hase. Es gibt sogar richtige Kostuem-Shops hier in Peking, mein Anspruch war es aber, meine Verkleidung komplett in einem der diversen Fake-Maerkte zusammenzustellen. Soll heissen: Eine Kombination von handelsueblichen – aber dennoch skurrilen – Klamotten zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Naja, die Fotos sprechen fuer sich, die Ohren gehen allerdings schon deutlich in Richtung gewolltes Kostuem…

Wo feiert man nun in Peking Karneval? Im Idealfall macht man es wie Martin und ich und laesst sich schon zwei Wochen vorher persoenlich vom „Landgrafen“ einladen, einem deutschen Restaurant im Sueden der Stadt. Dort gibt es – auch abseits der Session – frisches Koelsch vom Fass, der Legende nach direkt vom Eigelstein aus verschifft. Wir als Exil-Koelner durften sogar zu grossen Teilen umsonst trinken. Von der Stimmung her nimmt sich Karneval in Peking nicht wirklich was von Karneval in Koeln, das Prinzip scheint global zu funktionieren: Gib den Leuten viel Bier und leg die Hoehner auf und der Laden brummt. Einen wesentlichen Unterschied gibt es dann aber doch: Bist Du in Koeln am 11.11. ein Hase, bist Du eben ein Hase. Laeufst Du in Peking am 11.11. als Hase rum, halten Dich die Leute schon mal fuer total bescheuert - mindestens aber fuer schwer verhaltensgestoert! In diesem Sinne: Peking – Alaaf!

Montag, 17. Dezember 2007

Lebensumstandsverschiebungen, oder: Zu Gast in meinem neuen, bunten Reich





Noch eine Woche bis Weihnachten, und ich bin meiner Pflicht – den Blog aktualisieren – immer noch nicht nachgekommen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, in zehn Tagen werde ich Peking schon wieder verlassen haben. Darum haben Becci und ich uns heute einen Tag Auszeit genommen, einen Schreibtag sozusagen. In den verbleibenden Tagen bis Weihnachten werdet ihr hier jeden Tag eine neue der liegen gebliebenen Geschichten lesen koennen. Ein virtueller Adventskalender in klein, meine verfruehte Weihnachtspost – nehmt es als das, was Euch gerade am liebsten ist und habt Spass dabei. Der ist eigentlich schon vorprogrammiert, denn: ich befinde mich in guter, kreativer Gesellschaft. Wir sitzen hier in einem sehr netten „Denker-Cafe“ in der Naehe von unserem zu Hause, neben mir an der Wand lehnen laessig auf Postkarten gebannt Vordenker wie Woody Allen, Wilhelm Furtwaengler, Carlos Kleiber oder Andy Warhol. Sie lasen Euch schoen gruessen und inspirieren mich hoffentlich in meiner Kreativitaet.

„Unser zu Hause“ – das ist seit knapp einem Monat nicht mehr der Uni-Campus. Seit mittlerweile zwei Monaten bin ich mit Becci zusammen, vor einem Monat bin ich zu ihr nach Dongzhimen gezogen. Dongzhimen, das ist der Stadtteil im Osten Pekings, in dem es die besten Restaurants der Stadt gibt. Becci, das ist die Frau auf der Welt, die die beste Frau auf der Welt ist. (Und, manche werden lachen: sie ist in Leverkusen gross geworden. Die Elite vom Rhein findet doch immer wieder ihren Weg *g*)

Da liegt es auf der Hand, dass sich meine Lebensqualitaet hier sprunghaft vervielfaeltigt hat. Auch, was das Wohnen angeht. Becci und Ben (unser Mitbewohner) haben eine fantastische, zweigeschossige Wohnung mit Dachterrasse. Und das pro Zimmer zum gleichen Preis wie meine kleine Studentenbude auf dem Campus - Austauschstudenten werden dort ziemlich geschroepft! Naja, die Uni ist mittlerweile sowieso seit zwei Wochen vorbei, seitdem geniesse ich meine Zeit in Peking und versuche mehr von der Stadt als Sightseeing und Parties mitzukriegen (dazu mehr in den naechsten Eintraegen). Blicke ich auf die Uni-Zeit zurueck, stelle ich fest: Hoher eigener Anspruch der Uni, in der Praxis aber eine qualitativ recht bescheidene Lehre. Insgesamt aber eine gute Erfahrung neben der sehr theoretischen Massenabfertigung an der Uni Koeln. Und sehr nette Menschen mit sehr kreativen Ideen. Ich bin gespannt, was aus jedem Einzelnen in 20 Jahren geworden sein wird.

Ben ist seit vorgestern uebringens schon nicht mehr unser Mitbewohner, gestern ist dafuer Delphine, eine Franzoesin eingezogen. Generell ist die Wohnung mit ihren drei Zimmern recht volatil angelegt: Vor zwei Wochen ist unser dritter neuer Mitbewohner Niklas (aus Bergisch Gladbach!!) bei uns ins Gaestezimmer gezogen. Das Gaestezimmer, in dem vorher Birte (Freundin von Becci) und Beccis Mutter auf Besuch gelebt haben. Als Phil (mein Freund) dann bei mir im Wohnheim gelebt hat, weil unsere Couch zu der Zeit mit Daniel (einem anderen Freund von Becci) okkupiert war. Die letzten beiden Tage war dann noch Simon zu Besuch, ab Januar kommen dann Delphines Freundinnen vorbei. Natuerlich muessen alle diese Menschen bei der Polizei angemeldet werden, offiziell wohnt mittlerweile ein Familien-Clan von 15 Personen bei uns. Nicht eingerechnet sind dabei unsere coole, aber verhaltenstechnisch andersbegabte Katze (Name: Katze) und unsere beiden Schildkroeten (Namen: Rocky und Dicky). JA, es geht bunt zu bei uns.

Bunt, das impliziert natuerlich auch Parties. Wer mich noch aus Koeln kennt, wird sich vorstellen koennen, wie sehr mich mein Leben auf sechs Quadratmetern genervt haben muss: Parties ausgeschlossen, Gastgeberqualitaeten gleich Null. Naja, das haben wir mit einer Gluehwein- und einer Hamburgerparty bei uns wieder ausgeglichen, zu Weihnachten erwarten wir auch Gaeste. Was aber auf der Angenehmheits-Skala ganz weit oben ist bei eigenen Parties in Peking: Du wachst am naechsten Morgen auf, und Deine Putzfrau (man sagt, sie habe magische Kraefte) hat ein Schlachtfeld zurueck verwandelt in eine Wohnung. Das ist auch gut so, denn eine halbe Stunde spaeter kommt deine private Chinesisch-Lehrerin. Ja, ich Kapitalisten-Sau leiste mir im kommunistischen China Personal. Aber auf das Thema Dekadenz kommen wir in den naechsten Tagen noch zu sprechen. Erst einmal: Alles ist gut, alles ist fantastisch hier!

Sonntag, 25. November 2007

Vorschau

Asche auf mein Haupt. Ich habe lange nicht mehr geschrieben.
Bevor es jetzt aber zu spontanen Jubel-Demonstrationen auf der ganzen Welt kommt: Auch diesmal wird es keinen langen Eintrag geben, weil ich einfach keine Zeit habe. Ab uebernaechster Woche, wenn die Uni dann vorbei ist, wird aber alles viel besser. Auf welche Geschichten ihr Euch dann freuen koennt? Lest ihr hier:

- Wie ich mich von 2000 Fischen habe anknabbern lassen.
- Dass ich jetzt in einem zweigeschossigen Loft lebe
- Wie ich zur Grossen Mauer gefahren bin und mich dort 200 Meter in die Tiefe gestuerzt habe
- Das zweite Karaoke-Desaster. Und warum ich danach zum Flughafen gefahren bin
- Wie ich Beccis Mutter (sehr nett!) kennengelernt habe. Es war der 11.11. und ich ein etwas angetrunkenes Haeschen
- Wie wir 200 Kilometer zu den Quing-Graebern gefahren sind. Und auf dem Rueckweg "orientierungslos" wurden
- Eine Geschichte von Milch, Honig und Salz auf meinem Koerper
- Wie ich in Peking in den Untergrund gegangen bin. Und wir uns da fast verlaufen haetten.
- Ein Gastbeitrag von Phil, der gemeinsam mit mir fuer 10 Tage in das Leben in Peking eingetaucht ist. Grosse Zeit!

Also: Es lohnt sich, bald wieder reinzuschauen. Stay tuned!

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Kohle mit Karaoke?


Ich moechte reich werden. Sehr reich. Mit......Singen!

Ok, bevor die leidgeplagte Familie (Weihnachten), geduldige Freunde (Ding, RoseClub, Karneval) und meine alte Wohnung (Dusche) sich jetzt um meine finanzielle Zukunft sorgen und anfangen Geld zu spenden - was natuerlich trotzdem jederzeit willkommen ist - erst noch folgender Hinweis: Ich moechte nicht Geld verdienen, indem ich selber singe. Ich lasse singen.


Ich muss etwas weiter ausholen. Der Anstoss fuer meine Geschaeftsidee liegt etwa vier Wochen zurueck, es war glaube ich meine zweite Woche hier in Beijing. Damals haben wir uns bei mir im Zimmer zu einer "Picture-Share-Party" getroffen. Einfach mal alle Bilder austauschen, die wir bis dahin hier in China gemacht haben. Harmlos.

Naja, wie das mit den harmlosen Parties immer so ist: sie arten aus. Chris, Peter und ich haben angefangen, den Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim zu pluendern. Genauer gesagt: Das Bier aus dem Getraenkeautomaten in unserem Wohnheim (ja, es gibt hier noch das gute alte Dosenbier, sogar noch mit den alten Abreiss-Verschluessen!).

Nebenbemerkung: Chinesische Wohnheime sind anders als deutsche und - wie mir meine Freunde hier versichert haben - europaeische Wohnheime. Hier geht es seeehr ruhig und seeehr gesittet vor sich. Offiziell. Jetzt stellt Euch also die beiden armen chinesischen
Maedels im Eingangsbereich vor, wo der Getraenkeautomat steht. Beides vermutlich Erstsemesterinnen (die muessen hier die miesen Jobs machen, dazu wann anders mehr), die Nachtportier gespielt haben. Und dann sehen sie in regelmaessigen Abstaenden Chris, Peter oder mich, wie wir - laut deren Verstaendnis - immer wieder Unmengen an Bier aus diesem Automaten ziehen. Und dann seht ihr die Angst in ihren Augen. Diesen Gedanken: Ok. Das ist die Situation, fuer die ich zwei Jahre lang hart trainiert habe...

Irgendwann war es zwei Uhr morgens, und wir sind auf die brilliante Idee gekommen, in der Stadt etwas Essen zu gehen. Natuerlich nicht, ohne im Aufzug stecken zu bleiben. Peter guckt sehr unschuldig auf dem Foto, wer nun wirklich gehuepft ist, daran erinnern wir uns nicht mehr. Vielleicht war ich es auch selber, in Erinnerung an meinen guten alten Aufzug in Koeln. Diesmal hat sich das Training unserer Empfangs-Damen bezahlt gemacht, nach weniger als fuenf Minuten funktionierte der Aufzug wieder. Wir uns also auf unsere Fahrraeder geschwungen, lecker Bauze und Jiaoze gegessen, und ploetzlich standen wir vor einem KTV.

KTV ist eine Art chinesische Karaoke-Kette. Und wir sind ins KTV gegangen. Und sind lange geblieben. Und haben uns die Seele aus dem Leib gesungen. Looking for freedom, Hey Jude, Barbie Girl, die ganze Palette! Um sechs Uhr morgens waren wir wieder zu Hause. Dieser Abend ist als das "Karaoke-Desaster" in unseren Sprachgebrauch uebergegangen.

Was ich sagen will: Karaoke macht richtig Spass. Und das haette ich nie fuer moeglich gehalten. Und nahezu alle asiatischen Laender haben riesigen Spass mit Karaoke. In Europa und Amerika so gut wie niemand. Also werde ich es wie die Chinesen machen: "Adaptiere" eine Idee aus dem Ausland und werde zu Hause reich damit.

Zwei Fragen: Funktioniert Karaoke im Westen? Ich sage ja. Warum funktioniert Karaoke bislang noch nicht? Falsches Marketing, falsche Technik.

Zu Frage eins: Ich glaube nicht, dass es eine kulturelle/mentale Huerde gibt, warum Karaoke bei uns nicht funktionieren sollte. Karneval und Fussballstadion sind nur zwei Belege dafuer, dass (betrunkene) Menschen Spass am Singen haben. Ich habe das in den letzten zwei Wochen mal hier unter uns "westlichen" Austauschstudenten beobachtet. Sobald Alkohol im Spiel ist, tendieren Menschen dazu zu singen. Besser gesagt: Mitzusingen.

Warum klappt Karaoke dann -bislang - nicht bei uns? Nun, aus dem gleichen Grund, warum auch ich nicht gedacht haette, dass es mir Spass macht: Es hat einen schlechten Ruf. Karaoke, das ist dieses komische Zeug, was Japaner und Chinesen immer machen, wenn sie sich betrinken. Karaoke, da macht sich einer auf einer Buehne vor 30, 50, 80 wildfremden Leuten in einem Restaurant lustig. Karaoke, das kann ich eh nicht. Karaoke - das ist komisch.

So, an dieser Stelle muss man wissen, das Karaoke hier ganz anders ist. Man kriegt eben nicht vor 50 fremden Menschen ein Mikrofon in die Hand gedrueckt, sondern verzieht sich mit seinen Freunden in kleine, sehr gemuetliche Raeume, von der Aussenwelt komplett abgeschlossen. Man macht sich also nur vor sich selber laecherlich - und das ist ein Heidenspass. Und diese Raeume sind technisch super ausgestattet. Lautsprecher ueber alle Waende verteilt, die das ganze auch richtig laut werden lassen koennen. Auf Wunsch Diskobeleuchtung. Und ueber eine Art Fersehzeitschrift kann man mit NummernCode ganz einfach aus ueber 500 englischen - und unzaehligen, grauenhaften - asiatischen Titeln waehlen. Dazu kann man dann Alkohol und/oder was Kleines zu Essen bestellen.

So kann Karaoke bei uns funktionieren. Was genau ist zu tun? Wie gesagt, dieses System ziemlich eins zu eins adaptieren. Und dann brauchst Du ein exzellentes virales Marketing. Nenn es nicht mehr Karaoke, sondern (xxx? Fuer Vorschlaege bin ich dankbar) und gib dem ganzen einen einschlaegigen Slogan. Es muss sich schnell rumsprechen, was fuer ein Spass das ist. Am Anfang sollte Dein Zielpublikum betrunkene Laufkundschaft in belebten Kneipen-Vierteln sein. Ueberzeug die, was fuer ein Spass das ist. Und nach ihrem naechsten Kneipenbesuch kommen sie vielleicht schon selber auf die Idee. Und sie erzaehlen es weiter. Und irgendwann, dann planen sie aktiv, so eine Sing-Bar (hmm, gar nicht schlecht!) zu besuchen. Was machen wir heute Abend? Kino, Disko, Essen, Spieleabend, Sing-Bar? Es muss zur echten Alternative in der Freiszeitgestaltung werden.

Dafuer musst Du sehr schnell sehr gross werden. Darum der Ketten-Gedanke. Ich meine, Starbucks hat es auch in 20 Jahren geschafft. Und es ist "nur" Kaffee. Mit nur ein/zwei Laeden irgendwo wirst Du die Marke Karaoke und ihren Ruf nicht aendern koennen. Wird man damit reich? Man kann. Die Fixkosten fuer Personal sind sehr ueberschaubar. Anfangsinvestitionen fuer Technik sind hoch (eingekauft wird aber im billigen China), ebenso die Miete. Mit Getraenken laesst sich nach wie vor aber ein sehr komfortabler Gewinn erzielen, Eintrittspreise werden mit der Zeit angehoben.

Klar, im Moment ist das alles noch Spinnerei und beduerfte noch viel Recherche. Ob ich es dann wirklich irgendwann in 10 Jahren mache? Keine Ahnung. Erstmal bin ich auf Eure Meinungen gespannt. Traegt die Idee? Was habe ich bis hierhin uebersehen? Nur: Sollte ich im Februar zurueckkommen und am Flughafen eine Sing-Bar finden, verklage ich Euch alle! :-)


PS: Was mir natuerlich besonders gefaellt ist, wie ich reich werde. Indem andere Menschen Spass haben. Sich betrinken und singen. Geht's besser?


Familienglueck

Jaa, ich werde Vater!

Nein, kleiner Scherz. Aber ich dachte, das passt zur Ueberschrift und spaetestens jetzt bin ich mir Eurer Aufmerksamkeit sicher :-)

Heute geht es um eine Geschichte aus der Uni, genauer gesagt aus dem Kurs "Doing Business in China". Das ist der Kurs mit dem extrovertierten Professor, der mir sofort die Million angeboten hat um reich zu werden (und ich warte immer noch). Naja, letzte Woche hatten wir dort einen Gastredner. Ein Firmenchef hier aus dem Reich der Mitte, was genau der macht hat der glaube ich gar nicht erzaehlt, oder ich erinnere mich nur nicht mehr. Woran ich mich aber erinnere: Wie Wirtschaft in China denn nun funktioniert.

Besagter Gastredner wurde uns angekuendigt als technologischer Vorreiter im Bereich interner Firmenkommunikation. Oder anders ausgedrueckt: Als Big Brother. Dieser Mensch hat uns nahezu sabbernd vor Begeisterung gezeigt, wie er auf seinem Firmengelaende jeden einzelnen seiner Mitarbeiter jederzeit ueberwachen kann. Angefangen hat das ganze noch ziemlich harmlos. Eine China-Karte, auf der man in Echtzeit nachvollziehen konnte, wo sich welcher der verschiedenen Firmen-Lastwagen zur Zeit befindet. Das kann man meiner Meinung nach aus einem logistischen Standpunkt noch rechtfertigen, auch wenn es datenschutztechnisch bedenklich ist. Dann wurde es aber arg: An jedem Arbeitsplatz in seiner Firma ist eine eigene Kamera angebracht. Zudem ist auch das ganze Firmen-Gelaende grossraeumig abgedeckt. Die totale Ueberwachung eines jeden Mitarbeiters. "Nur auf den Toiletten filmen wir nicht", hat er dann halb stolz, halb bedauernd gesagt.

Wir haben dann live verschiedenen Angestellten beim Arbeiten zugeguckt. Und waren alle ziemlich fassungslos. So uebel dieser Umstand an sich schon ist, umso schlimmer war sein Stolz und seine Formulierungen. Uns seine totale Uneinsichtigkeit, etwas schlechtes zu machen, ich habe mitgeschrieben:

"This allows us a systematic way of control"
"But people work harder under this system"
"Everybody becomes the same under video control. It is a very fair system."
"This system is an internal need"
"I think, this is the way to do it"
"Behavioural control"
"The people like it. They find it funny to see themself on video".

Am besten fand ich dann aber den Kommentar eines chinesischen Kommilitonen. Sein Argument: Chinesen sind von klein auf nie allein, weil sie alle in grossen Familien leben wuerden. Dieses System sei darum fuer die chinesische Kultur ziemlich gut geeignet, weil sich da auch alle wie eine grosse Familie fuehlen wuerden.

Da ist mir fast so schlecht geworden wie bei einem Kommentar eines franzoesischen Kommilitonen von der Manchester Business School, der unser aller Ekel nicht richtig verstanden hat: "Hey, think about this issue in terms of ressourc-management. What a good way, to rearrange ressources."

Danke. Ich weiss jetzt, wie Business in China funktioniert. Und in Europa hoffentlich nicht bald!

Dienstag, 9. Oktober 2007

Xian



Xian ist Terrakotta-Armee. Auch, wenn die mehreren tausend Soldaten eigentlich etliche Kilometer ausserhalb stehen, definiert sich diese Stadt doch trotzdem komplett ueber dieses archaeologische Wunder. Dabei hat Xian einiges mehr zu bieten und ist efinitiv mal eine huebsche, aufregende chinesische Stadt, die ich vielleicht sogar noch einmal besuchen werde, weil es uns (unsere kleine Reisegruppe hat sich zu dieswem Zeitpunkt auf mich und Peter reduziert) dort ausgesprochen gut gefallen hat.
Die Geschichten ueber die Terrakotta-Armee kennen wohl mittlerweile die meisten - achtes Weltwunder, jede einzelne Figur individuell, noch ungeahnte Schaetze in einem unerforschten Areal von 48 Quadratkilometern Groesse - so dass ich mir genauere Beschreibungen spare. Das klingt zwar irgendwie immer arrogant aus der Ferne, aber man sollte es selber gesehen haben. Ausserdem ist dieser Blog ja unter anderem auch zur Unterhaltung und fuer Aussergewoehnliches gedacht. Und da ist in Xian ausnahmsweise mal nichts passiert. Naja, ausser, dass ich nach nur drei Stunden Schlaf (von fuenf bis acht, ich sage ja: super Stadt) am naechsten morgen beim Fotomachen fast in die Grube mit den Soldaten gefallen waere. Wie gesagt, nur fast, und eigentlich uebertreibe ich wie ueblich auch nur :-)
Trotzdem haben wir noch lange diskutiert, was sonst wohl mit mir passiert waere? Chinesische Reaktionen sind manchmal so unberechenbar...

Tibet.











Ok, ich weiss, es hat lange gedauert, diesen Eintrag fertig zu machen. Und bei allen, die zwei mal in der Stunde diesen Blog aktualisieren, moechte ich mich dafuer entschuldigen :-). Bei all den anderen untreuen Seelen natuerlich auch. Aber in den letzten Tagen ist hier einfach zu viel passiert. Fuer die Uni muessen wir mittlerweile doch mehr tun, ueberwiegend Gruppenarbeiten, sehr spannend, sehr international. Und dann bietet natuerlich auch Peking genug Abwechslung. Interessante Abende, spannende Naechte und Wohnungseinweihungsparties am Stueck. Und, ja: Ich war auch ein wenig zu faul, am Blog zu arbeiten.

Aber nun, eigentlich ist dies ja ein Eintrag ueber Tibet. Was ist also passiert, nachdem wir aus Lhasa aufgebrochen sind? Nun, zunaechst einmal sind wir NICHT aus Lhasa aufgebrochen. So abenteuerliche es war, dorthin zu kommen (siehe Zug-Eintrag), so abenteuerlich war es auch, diese Stadt wieder zu verlassen. Ausserhalb Lhasas darf man sich in Tibet naemlich nur mit offiziellen Guide bewegen. Den hatten wir fuer Dienstag morgen - fuer den Rest der Woche - bestellt. Nun ist es relativ schwierig, Karten fuer den Potalla in Lhasa zu bekommen. Da werden pro Stunde eine bestimmte Anzahl Touristen durchgeschleust, das frueheste Ticket, das wir kriegen konnten war fuer Dienstag halb zwoelf. Wir also mit unserem Guide telefoniert, ob es ok ist, wenn wir am naechsten Tag erst um 14 UIhr aufbrechen. Hm, ja, sei zwar ein bisschen spaet fuer unser Tagesprogramm, aber da wir ja den Potalla sehen wollten, waere das schon in Ordnung, also naechster Tag um zwei. Wer war um halb drei nicht da? Richtig, unser Guide. Wir auf dem Handz angerufen. "Ne, sorry, ich bin nicht Euer Guide. Das ist das allgemeine Handy von der Agentur." Wir uns die Buero-Nummer geben lassen. "Achso, ja. Ne, wir haben uns dann doch gedacht, dass 14 Uhr ein bisschen zu spaet ist." ACH? Und wann wolltet ihr UNS darueber informieren?? Ob unser Guide uns denn noch Lhasa heute zeigen koennte, wo er doch bezahlt ist, und ob morgen alles glatt laeuft? "Achso. Ja. Euer Guide ist ausserdem krank geworden". Arrgh! Sie wuerden sich um eine Alternative fuer morgen kuemmern. Abends um acht hatten wir nach mehreren Anrufen da immer noch keinen festen Guide fuer den naechsten morgen. For more days to go in Tibet!

Gegen 23 Uhr haben wir dann erfahren, dass wir am naechsten morgen einen Guide bekommen. Ich scheue bewusst vor der Bezeichnung "Reisefuehrer" zurueck, das wuerde alle anderen Reisefuehrer der Welt beleidigen. Diese Frau (25 Jahre) war die reinste Katastrophe. Nicht nur, dass sie uns mal ueberhaupt nichts ueber Tibet erzaehlt hat (sondern fleissig Handy gespielt hat), sie hat einfach mal Reiseplaene geaendert, ohne uns darueber zu informieren, hat unsere Wuensche, doch bitte nicht in westlichen Touristen-Restaurants Essen zu gehen ignoriert, und, und, und. Da gaebe es echt viele Geschichten zu erzaehlen, ich will die Stimmung hier im Blog aber nicht endgueltig runterziehen. Der Gipfel war allerdings, als sie am Flughafen dann unter ihren bewertungsbogen eine Blanko-Unterschrift von uns wollte, und - das haben wir erst spaeter erfahren - sie sich mehrmals taeglich bei unserem Reisebuero hier in Peking gemeldet hat. Sie wolle uns als Gruppe nicht mehr. Begruendung: Die machen nicht das, was ich ihnen sage. Ok, alles klar.

Bevor es mit Tibet weitergeht, eine kurze Analyse. Woran liegt so etwas? Ich war lange der Meinung, dass Tibet gute Reisefuehrer nicht noetig hat. Es ist Pflicht, mit Guide unterwegs zu sein, also findet auch kein Qualitaetswettbewerb unter Anbietern statt. Klassischer Fall von Marktversagen, die - zwangsweise hochgehaltene - Nachfrage ist so hoch, dass kein Wettbewerb und kein Verdraengen schlechter Anbieter aus dem Markt stattfindet. Dachte ich, und war so stolz auf mein VWL-Wissen. Bis dann die anderen Gruppen von ihren fantastischen Guides erzaehlt haben. Vergesst also meine oekonomischen Erguesse - wir hatten schlicht und einfach Pech!

So, nachdem dieser Frust endlich mal von der Seele geschrieben ist, zurueck zu Tibet. Dort hatten wir dann naemlich trotz aller Querelen eine fantastische Zeit. Erst waren wir am Namtso, was uebersetzt in etwa so viel heisst wie "himmlischer See". Eine durchaus passende Bezeichnung, neben seiner Naehe zum Himmel geizt dieser See auch sonst nicht mit Superlativen: Auf einer Hoehe von 4720 Meter gelegen ist der Namtso der hoechste Salzsee der Welt. Und dabei mit 1961 Quadratkilometern auch gleichzeitig der zweitgroesste Salzsee ganz Chinas. Aber was sind schon Zahlen im Vergleich mit diesem Anblick: Eine riesige, tiefblaue Flaeche, auf der sich Wellen kraeuseln - und im Hintergrund schneebedeckte 7000er-Berge. Auf den Fotos kommt diese Atmosphaere leider gar nicht richtig rueber, ein Besuch vor Ort sei Euch allen also waermstens ans Herz gelegt! Ganz nebenbei war ich - ausserhalb eines Verkehrsmittels - so hoch wie noch nie in meinem Leben, etwa 5200 Meter (Foto mit ausgebreiteten Armen). Sehr windig, sehr kalt!

Was haben wir sonst noch gesehen? Viel unbeschreibliche Landschaft. Einige unbeschreiblich idyllische Kloester. Mehr unbeschreiblich spirituelle Tempel. Und unbeschreiblich viele Yaks, die in der Landschaft grasen oder die Strassen blockieren. Weil das alles so unbeschreiblich ist, werde ich es hier auch nicht beschreiben.

Ausser die Yaks. Auskulinarischer Perspektive. Yak schmeckt nicht. Ich habe vieles probiert. Yak-Rippen: Zaeh. Yak-Steak: Schmeckt wie Hammel. Yak-Wurst: Igitt! Uns selbst Yak-Butter-Tee war ungeniessbar.
Ein Tier auf vier Beinen mit Fell, das nicht schmeckt? Das hat mich in meiner Wuerde als Fleischesser und oberem Ende der Nahrungskette ja schon gekraenkt. Also habe ich weiter experimentiert. Und bin endlich fuendig geworden (Foto). Yak-Lunge schmeckt wirklich ausgezeichnet. Ein wenig wie Rinderzunge. Guten Appetit :-)